«Wege durch finstere Zeiten»: Dies ist der Titel eines Buches, das zwei starke Gegengewichte setzt zum vorherrschenden defensiven, negativen Diskurs über die Menschen, die nach Europa fliehen, um der brutalen Unterdrückung durch die Taliban zu entkommen: Es handelt von Schweizerinnen und Schweizern, Europäerinnen und Europäern, die aus eigenem Bedürfnis und Entschluss diesen Verfolgten und Bedrohten helfen, legal in einen Rechtsstaat zu gelangen und sich in ihm niederzulassen, und von tüchtigen, leistungswilligen Afghaninnen und Afghanen, die sich hier integrieren, teils allein, teils mit Familie. Herausgeberin dieses Buches ist Sabine Haupt, die Initiantin und wichtigste Trägerin dieser Aktion. Ich habe dieses Buch im digitalen Kulturmedium «cültür» vorgestellt (Link).
In der Schweiz wurden über Jahrhunderte immer wieder verfolgte Menschen bereitwillig und solidarisch aufgenommen, zum Beispiel: Hugenotten im 17. Jahrhundert, deutsche Liberale und italienische Freiheitskämpfer im 19. Jahrhundert. Ein komplexes, schwieriges Thema ist und bleibt die Flüchtlingspolitik während des Dritten Reichs und des italienischen Faschismus, auch wenn es Brennpunkte des Wirkens Emigrierter, auch jüdischer, gab: Zum Beispiel das Zürcher Schauspielhaus. Widerstand, auf den sie stiessen, gehört mit ins Bild.
Auch in der Nachkriegszeit wurden Flüchtlinge in der Schweiz mit Wohlwollen aufgenommen: Nach der Niederschlagung des Aufstandsversuchs in Tibet durch die chinesischen Besatzer, nach dem Ungarn-Aufstand 1956, nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968, Boat People aus Vietnam nach dem Sieg Nordvietnams und des Vietcongs.
Auch Menschen, die vor Putins Truppen aus der Ukraine flohen, wurden anfänglich solidarisch aufgenommen, in der Schweiz und in ganz Westeuropa. Diese Solidarität wird nun mehr und mehr zurückgedrängt, und dies nicht nur in der Schweiz. In Polen trug der diesbezügliche Stimmungswandel wohl gar zum knappen Wahlsieg des rechtsextremen Kandidaten um das Staatspräsidium bei.
Die historischen Beispiele solidarischer Aufnahme entlasten uns nicht davon, uns den harten Auseinandersetzungen über die teils behaupteten und parteipolitisch bewirtschafteten, teils wirklichen Grenzen der Aufnahmefähigkeit, aber auch dem Fehlen von Fähigkeit oder Willen eines Teils der hier Ankommenden zur Integration in eine aufgeklärte, liberale, rechtsstaatliche Gesellschaft zu stellen. Aber die historischen Beispiele – und „Wege durch finstere Zeiten“ – ermutigen uns und fordern uns heraus, darauf zu bestehen und uns dafür einzusetzen, dass die Rettung und Aufnahme bedrohter Menschen gelingen kann und immer wieder auch tatsächlich gelingt.
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Die PolitReflex-Artikel, die diesen Monatsbrief beigefügt sind, befassen sich
- mit der Entwicklung der «freien Welt»: Trumps offenkundiger Bereitschaft, die Ukraine Putin zu überlassen, und der Vorbereitung des demokratischen Europas auf einen drohenden Angriff Putins auf Nato-Staaten,
- und mit der Auseinandersetzung um die Verträge zur Stabilisierung und Weiterentwicklung der bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und Europa
„Ein Kriegsverlauf ist schwer vorhersehbar“ (Link)
„Bombenterror Putins – Abwendung Trumps“ (Link)
„Die Friedensbewegung müsste Putin wenigstens Bedingungen stellen“ (Link)
„Nach der Polen-Wahl – welche Rollenverteilung im demokratischen Europa?“ (Link)
„Putin entgegenkommen, um ‚Gute Dienste‘ leisten zu können?“ (Link)
„Stabilisierungsverträge – von der Wohnungsnot bis zur Zukunft Europas“ (Link)
„Unterschätzen wir die Bedeutung unserer Nachbarn nicht“ (Link)
„Bilaterale III: Misstrauen ins Urteilsvermögen der Stimmberechtigten“ (Link)