Sie befinden sich hier:

Unterschätzen wir die Bedeutung unserer Nachbarn nicht

Wer hätte das gedacht….? Während im Mai die Exporte der Schweiz nach den USA um 40 % einbrachen, stiegen diejenigen nach Deutschland an. Deutschland wurde zum grössten Abnehmerland schweizerischer Produkte.

Die Negativpublizität über Deutschland steht in hartem Wettbewerb mit derjenigen über die Europäische Union (EU). Infolge der wichtigen Rolle Deutschlands in der EU nährt die Darstellung Deutschlands als „kranken Mann“ Europas die Erwartung – oder gar Hoffnung – auf einen Niedergang der EU.

Nun aber dies – „Le Temps“ berichtet am 20. Juni 2025 unter dem Titel „Berlin devient le premier partenaire de la Suisse“ : „Après une période de hausse, les livraisons vers les Etats-Unis accusent un recul de plus de 40 % sur un mois en mai. Dans le même temps, les exportations vers l’Allemagne se sont légèrement améliorées et gagnent la tête du classement avec 3,7 milliards de francs.“ – Informationsquelle ist das Bundesamt für Zoll und Grenzschutz (Link).

Man mag eingefleischter Deutschland-Verächter und EU-Gegner sein – es empfiehlt sich doch, bis auf Weiteres für günstige Voraussetzungen unserer Wirtschaftsbeziehungen zu unseren europäischen Partnern einzustehen. Vorstellungen, mehr politische Distanz zur EU und ihren ungeliebten Mitgliedstaaten nehmen zu können, indem man die Wirtschaftsbeziehungen nach den USA, China oder Saudiarabien stärkt, sind – vorsichtig ausgedrückt – wohl allzu optimistisch.

 

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Taiwan keine falschen Hoffnungen machen.

Werden die USA für Taiwan einen Grosskrieg riskieren? Einen Grosskrieg, der, „konventionell“ beginnend, in einer zweiten Phase wohl auch mit taktischen Atomwaffen ausgetragen würde und zum Dritten Weltkrieg eskalieren könnte – vor allem wenn Russland die Gunst der Stunde nutzen und eine zweite Front eröffnen würde, gegen die Ukraine und/oder das Baltikum?

Weiterlesen »

Russischer Autor droht in Schweizer Zeitung mit nuklearen Präventivschlägen – und legt das Propagandaziel offen

„Der dritte Weltkrieg hat schon begonnen“: Unter diesem Titel lässt die „Weltwoche“ einen russischen Strategiefachmann Einschüchterungspropaganda gegen die europäischen Demokratien treiben – bis hin zur Drohung mit militärischen Präventivschlägen, auch nuklearen: Eine Drohung, deren Glaubwürdigkeit mit Blick auf die Folgen, die solche Schläge für Russland selbst haben könnten, sehr zweifelhaft ist und die unverhohlen den Widerstandswillen der Demokratien und ihren Zusammenhalt brechen soll.

Weiterlesen »