Sie befinden sich hier:

PolitReflex Monatsbrief Februar 2024

Schweiz-EU; Putin, Trump und Europas Demokratien; AfD; Klimawandel; Migration.

Dieser Monatsbrief erscheint einige Tage vor den eidgenössischen und kantonalen Volksabstimmungen vom 3. März 2024. Die eidgenössischen wie auch kantonale Vorlagen sind Beispiele dafür, was auch nach Abschluss der Verträge mit der Europäischen Union (EU), über die verhandelt wird, und selbst im wenig wahrscheinlichen Fall eines späteren Beitritts der Schweiz zur EU weiterhin direktdemokratisch bestimmt und auch initiiert werden kann.

Wir sollten künftige Volksabstimmungen diesbezüglich beurteilen. Die Gegner der Verträge zur Stabilisierung der bilateralen Beziehungen behaupten, diese würden die direkte Demokratie „abschaffen“. Davon kann keine Rede sein. Auf diese falsche Behauptung stützen sie den unerhörten Vorwurf, die Befürworterinnen und Befürworter seien Landesverräter. Ein Vertreter der Gegnergruppe „Autonomiesuisse“ verbreitete sogar die Injurie  der „Weltwoche“, die Konferenz der Kantonsregierungen sei eine „Fünfte Kolonne“.

Zeitgeschichte zum Ersten: Jüngeren Menschen,  denen die Bedeutung von „Fünfte Kolonne“ nicht mehr geläufig ist, sei empfohlen, sie zu googeln.

Im Namen des Kollegialprinzips und der Konkordanz sind die Bundesräte der SVP gefordert, die Propagandisten ihrer Partei in die Schranken zu weisen.

Die ersten beiden hier beigefügten Artikel befassen sich mit den Stabilisierungsverträgen Link 1, Link 2, fünf weitere mit der Entwicklung der Sicherheitslage in Europa, beginnend mit Überlegungen zur Bedeutung von Nawalnys Tötung für die militärische Stärkung der Demokratien: Link 3, Link 4, Link 5 Link 6, Link 7.

Nachdem nach der Türkei auch Ungarn zugestimmt hat, wird Schweden nun Mitglied der NATO. Auch die schweizerische Sicherheitspolitik muss nun über die NATO und mit ihr konkret werden. Die Einleitung zum diesbezüglichen Artikel: „Man nahm es für selbstverständlich, und Viele sehen es wohl noch so: Wenn es in Europa Krieg gibt und eine Verletzung der Schweizer Grenze droht, wird die NATO die Schweizer Armee unterstützen. Aber man rechnete mit einer starken militärischen Eigenleistung der Schweiz. Neuste Erkenntnisse stellen diese Annahme in Frage.“ Link 8

Zeitgeschichte  zum Zweiten: Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarteten die Völkergemeinschaft, Europa und die Schweiz, dass Deutschland nie wieder eine Kraft aufsteigen lasse, die an den Nationalsozialismus anknüpft. Nun stösst in der Schweiz der breite, wachsende Widerstand in Deutschland gegen die AfD da und dort auf erstaunliches Unverständnis. Zwei hier beigefügte Beiträge sind diesem Thema gewidmet. Grosse Verbreitung verdient ein Appell von Nachkommen der Männer und Frauen des deutschen Widerstands gegen die Nazis. Sie finden ihn hier im vollen Wortlaut. Link 9, Link 10.

Weitere Themen:

– Der kommende SVP-Präsident Marcel Dettling will den Bäuerinnen und Bauern einreden, der Klimawandel sei nur zu ihrem Vorteil. Massnahmen zu seiner Eindämmung seien unnötig. Link 11.

– Der Bundesrat beantragt dem Parlament die Annahme eines Postulats, das ihn beauftragt, „eine Auslegung zu Asylverfahren und Wegweisungsvollzug im Ausland (insbesondere in Drittstaaten) zu machen. Die Analyse soll stets mit Blick auf die Gewährleistung der schweizerischen Standards erfolgen.“ Link 12.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

PolitReflex Monatsbrief Juni 2025

Aufnahme Geflohener in der Schweiz – über Jahrhunderte.
Die historischen Beispiele solidarischer Aufnahme entlasten uns nicht davon, uns den harten Auseinandersetzungen über die teils behaupteten und parteipolitisch bewirtschafteten, teils wirklichen Grenzen der Aufnahmefähigkeit, aber auch dem Fehlen von Fähigkeit oder Willen eines Teils der hier Ankommenden zur Integration in eine aufgeklärte, liberale, rechtsstaatliche Gesellschaft zu stellen. Aber die historischen Beispiele – und „Wege durch finstere Zeiten“ – ermutigen uns und fordern uns heraus, darauf zu bestehen und uns dafür einzusetzen, dass die Rettung und Aufnahme bedrohter Menschen gelingen kann und immer wieder auch tatsächlich gelingt.

Weiterlesen »

PolitReflex Juli 2022

Sind wir den wachsenden Herausforderungen gewachsen? Wir: Der Westen? Europa? Die Schweiz? Wir Bevölkerungsgruppen und Individuen?

Weiterlesen »