Sie befinden sich hier:

Könnte Trump europäischen Demokratien nur noch selektiv militärisch beistehen?

Trump distanziert sich von der NATO und empfiehlt den Russen, mit den europäischen Demokratien, die nach Trumps Meinung zu wenig Geld für ihre Armeen einsetzen, zu «tun, was auch immer zur Hölle sie tun wollen». Man sollte sich dies auch strategisch vorstellen.

Nachteilig für Trump ist, dass Staaten wie Polen und die baltischen, die am meisten für ihre militärische Verteidigung tun und die härteste russlandpolitische Haltung einnehmen, am unmittelbarsten durch Putin bedroht sind. Polen bietet sich sogar als Führungsmacht Europas an.

Dazu kommt, dass Polen historisch eng mit den USA verbunden ist, und die derzeit oppositionelle PiS-Partei Trump auch ideell sehr nahe steht. Es würde unangenehm für Trump, wenn Donald Tusk oder gar PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski, so wie bisher Selenski, in die USA kämen, um diese um militärische Hilfe zu bitten.

Trumps grossen Zorn hat ja Deutschland auf sich geladen. Trump könnte – in der Art eines neuen „Jalta„-Vertrags – darauf verfallen, Putin die Rücknahme der früheren DDR anzubieten. Nur führt der Weg dorthin durch Polen und Tschechien.

Das neue „Jalta“, nach Trumps Kriterium, wer den militärischen Schutz der USA verdient und wer nicht, würde Europa zu einem militärischen und politischen Flickenteppich machen. Vorstellbar? Trump müsste wohl anstreben, im „Jalta 2.0“ von Putin zumindest eine Garantie für Polen zu erhalten.

Mehr dazu:

„Was kommt auf Polen zu, wenn Trump Präsident wird?“ (Link)

„Polen – künftige sicherheitspolitische Führungsmacht Europas?“ (Link)

„‚America first‘ – wie weit könnte Trump Putin vordringen lassen?“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Union als Steigbügelhalterin der AfD in die Bundesregierung? Wohl nicht so bald.

Jens Spahn ist Fraktionschef der Union im Bundestag. Es gibt Spekulationen, dass er die „Brandmauer“ zur AfD niederreissen könnte. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ äussert er sich gegen die AfD aber in einer Schärfe, die das Szenario Koalition Union & AfD auf absehbare Zeit sehr unwahrscheinlich macht. Er erwartet „politische Justiz“, wenn die AfD Regierungsmacht bekäme.

Weiterlesen »

Iran hat die neue arabisch-israelische Allianz mitverursacht. Wie reagiert Russland?

Die iranische Politik der Gegenprovokation hat es Trump ermöglicht, die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel zusammenzuführen. Das durch Kronprinz Salman verbrecherisch geführte Saudi-Arabien gehört faktisch und wohl bald auch formell ebenfalls zu dieser Allianz. Iran hat mit seiner Ambition, eine regional dominante Atommacht zu werden, die Israel irgendwann von der Landkarte auslöschen kann, den Bogen überspannt. Wie wird Russland auf diese Entwicklung reagieren?

Weiterlesen »

Trumps Zölle und Schweizer Europapolitik

Die Beurteilung breitet sich aus, dass durch Trumps Zölle die Annahme der Bilateralen III zur Stabilisierung der bilateralen Beziehungen wichtiger wurden. Der Chefredaktor der SonntagsZeitung widerspricht. Überlegungen dazu.

Weiterlesen »