Sie befinden sich hier:

Für den Bereich Europapolitik der SVP ist ein Putin-Verteidiger verantwortlich

„Hätten die Russen warten sollen, bis US-Raketen vor dem Kreml stehen?“ So lautet Roger Köppels neuster Rechtfertigungsversuch für Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine („Editorial“, „Weltwoche“ 10.8.23). Dass er sich unablässig für Putin und dessen Gesinnungsfreunde einsetzt und diese zu Wort kommen lässt, ist vor allem beachtlich, weil Köppel als Mitglied der Parteileitung der SVP Schweiz den Bereich Europapolitik leitet.

Wenn man diese Funktion ernst nimmt, muss man annehmen, dass alles, was die SVP europapolitisch fordert, bekämpft oder verlauten lässt, massgeblich durch einen freiwilligen, eifrigen Interessenvertreter Putins beeinflusst wurde.

Zur Bedeutung der Parteileitung, der die Leiter der sechs Politikbereiche angehören:

„Die Parteileitung ist verantwortlich für die strategische Planung und Ausrichtung der Partei. Sie pflegt den Kontakt zu den Kantonalparteien und entscheidet auf Begehren von Einzelmitgliedern, Parteiorganen, Sektions-, Bezirks- oder Kantonalparteien Streitigkeiten innerhalb der Partei. Der Parteileitung obliegt die Aufsicht über die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der eidgenössischen Wahlen. Die Parteileitung tagt in der Regel monatlich.“ Link.

Im Interesse Putins liegt die Schwächung der Europäischen Union und der NATO. Die SVP fordert, die Schweiz solle ökonomische, wissenschaftliche und politische Partnerschaften ausserhalb des demokratischen Kontinentaleuropas – bis nach China – stärken, um von der EU unabhängiger zu werden, und die militärisch notwendige Zusammenarbeit der Schweiz mit der NATO, nun insbesondere bei European Sky Shield, unterlassen. Und die SVP bedient Russland mit der Behauptung, die Schweiz sei „Kriegspartei“ geworden, weil sie sich schlecht und recht an den Wirtschaftssanktionen gegen Russland beteiligt.

Diese Positionen sind offenbar unter massgeblichem Einfluss eines konsequenten Vertreters von Putins Interessen, Verteidigers seiner militärischen Aggression und damit zumindest Verharmlosers der damit verbundenen Kriegsverbrechen erfolgt.

Wer trotz allem, was dagegen spricht, in diesem Wahlkampf eine Allianz mit der SVP eingeht, täte gut daran, von ihr zu verlangen, dass sie sich von diesem Bereichsleiter Europapolitik trennt.

Kürzlich wurde bekannt, dass Alexei Navalny zu einer weiteren langen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, und dass sein Haftregime verschärft wird. Nicht auszuschliessen, dass das Regime diesen Mann physisch brechen will, womöglich bis hin zum Tode. Deshalb forderte der Schreibende den Ressortleiter Europapolitik der SVP in den sozialen Medien auf, seine gute, auch durch Berichte von einer Russlandreise dokumentierte Beziehung nach Russland zu nutzen, um in seiner Zeitung ein Wort für Navalny einzulegen. Er tat es nicht. Und er interessierte sich auch nie für die Arbeitsbedingungen der russischen Journalistinnen und Journalisten – die unabhängigen sind im Exil oder im Gefängnis.

Mehr dazu:

„Zur Berechtigung des Widerstands der Ukraine und ihrer Unterstützung durch den Westen“ (Link).

„Unter Führung Roger Köppels greift die SVP jetzt die EU an“ (Link).

„SVP muss sich Köppels Putin-Propaganda und Völkerrechts-‚Verständnis‘ zurechnen lassen“ (Link).

„Weltwoche – wie gegen Ukraine, so gegen Taiwan“ (Link).

„Orban wünscht Trumps Rückkehr und erwartet von ihm raschen Frieden mit Putin“ (Link).

„Was halten Leute wie Roger Köppel von der Lage des russischen Journalismus?“ (Link).

„Wenn Putin Europa beherrschen würde“ (Link).

„Durch die Bezeichnung der Schweiz als Kriegspartei handelt die SVP gegen Landesinteresse“ (Link).

„‚Kriegspartei!‘ – oder: Wie uns Christoph Blocher seine Neutralitätsinitiative erklärt“ (Link).

„Wenn schon Wahlallianzen mit der SVP, dann nicht bedingungslos“ (Link).

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Eine starke Opposition für die Schweiz

Es zeichnet sich ab, dass eine Mehrheit der neuen Bundesversammlung den Grünen das Privileg der reinen Opposition gewährt. Hauptargument: Es war schon immer so, dass ein Regierungsanspruch erst nach Bestätigung eingelöst wird. Hauptgrund: Die Regierungssitze, die man hat, für einige weitere Jahre zu behalten.

Weiterlesen »

Nach Corona gehöre die Zukunft der Sozialdemokratie – vielleicht eine Illusion

„Face aux menaces sérieuses, le laisser-faire et l’individualisme sont inopérants, constate le conseiller national Roger Nordmann (VD/PS). L’expérience de la pandémie permet d’affirmer que l’avenir est à la social-démocratie.“ („Le Temps“, 27 mai 2020). Die Hoffnung und Erwartung des SP-Fraktionschefs entspricht der Befürchtung Wirtschaftsliberaler wie des Chefs der NZZ-Inlandredaktion, Michael Schoenenberger*. Klar vorhersehbar ist die Entwicklung allerdings nicht.

Weiterlesen »

Krieg vermeiden – um jeden Preis?

„KEIN KRIEG!“ Die Kampagne für die „Neutralitätsinitiative“ ruft die Stimmberechtigten auf, gegen Krieg zu stimmen. Das ist nicht nur eine unrealistische Abstimmungsfrage. Ob sich der Ukraine-Krieg in Europa ausweitet, entscheidet nicht das Schweizervolk. Putin entscheidet, ob er angreift. Die Regierung des angegriffenen Landes und die Nato, vielleicht künftig die EU, entscheiden, ob sie militärischen Widerstand leisten. Aber Putin könnte eine Annahme dieser Initiative als Willenserklärung einer Mehrheit des Schweizervolks verstehen, Krieg sei UM JEDEN PREIS vermeiden, und sie erwarte dies auch von den anderen europäischen Demokratien.

Weiterlesen »