Förderung des Kulturjournalismus und journalistische Unabhängigkeit
Eine Kontroverse über neue kulturjournalistische Angebote gibt Anlass, sich mit journalistischer Unabhängigkeit und ihren Herausforderungen zu befassen.
Eine Kontroverse über neue kulturjournalistische Angebote gibt Anlass, sich mit journalistischer Unabhängigkeit und ihren Herausforderungen zu befassen.
Seit Jahren wird die Krise des Kulturjournalismus beklagt. Nun wagten ch-intercultur, Verein für Kulturkritik, und We.Publish einen Schritt zur Tat. Am 8.11.24 erschien erstmals der Newsletter „cültür“ und wurde https://cültür.ch/ freigeschaltet. cültür erscheint wöchentlich freitags und kann kostenlos abonniert werden.
Die Nationalratskommission für Verkehr und Fernmeldewesen verabschiedete eine Motion für die Einführung einer kanal- und geschäftsmodellunabhängigen Förderung elektronischer Medien. Das kann mittelfristig auch zur Überwindung der Krise des Kultur- und Wissenschaftsjournalismus beitragen.
Die Beratung der Kulturbotschaft am 4. Juni 2024 im Ständerat schaffte Klarheit: Der Bund weiss um die kulturpolitische Bedeutung und die Krise von Kulturjournalismus und Kulturkritik. Aber diese Krise wird nicht mit Bundeshilfe überwunden werden. Umso wichtiger und dringender ist es nun, neue, digitale und kostengünstige Wege zu finden, Verbreitung und Vernetzung neuer Kulturmedien zu stärken und neue Finanzierungsmodelle zu erproben. Dieser Aufgabe widmet sich ch-intercultur (www.ch-intercultur.ch) mit Partnerinnen und Partnern.
Vier starke Seiten in der „NZZ am Sonntag“ (10.3.24), eingeführt durch Peer Teuwsen, Leiter des Ressorts Kultur:
„Ausgerechnet in den Studienfächern, die kritisches Denken und Differenzierung schulen, sinken die Studienzahlen. Das dürfte für die Schweiz dramatische Konsequenzen haben. (…)“
Schon vor einiger Zeit fusionierte Tamedia (Tages-Anzeiger u..a.) „Kultur“ mit „Gesellschaft“. Aber aller guten Dinge sind drei – und „passend“ zur soeben verabschiedeten Kulturbotschaft des Bundesrates: Künftig muss auf den beiden Seiten, die zur Verfügung gestellt werden, auch noch die Wissenschaft Platz finden.
Die „NZZ am Sonntag“ berichtet am 7. Januar 2024 über den Niedergang regionaler Kulturmagazine. Dennoch sei „in der Vorlage zur Kulturbotschaft 2025 Kulturpublizistik kein Thema“. – Immerhin unterschrieben mehr als 1’200 Personen das von ch-intercultur lancierte Manifest „Der Kulturjournalismus gehört in die Kulturbotschaft“.
Es war ein erfolgreicher Entscheid Christoph Blochers, dem konservativen politischen Katholizismus eine neue politische Heimat anzubieten. In den „Stammlanden“ übernahm die SVP Wählerpotenzial von der CVP (heute Mittepartei). Aber jetzt, in der Missbrauchskrise, sind die Verbündeten der Blocherbewegung die prädestinierten Gegner der Reformbewegung innerhalb der katholischen Kirche.
SWR-Bestenliste im September 2023: „Auf Platz fünf steht der Schweizer Ralph Tharayil mit dem Roman „Nimm die Alpen weg“. Dies berichtet die „Frankfurter Allgemeine“ am 31.8.23 im Feuilleton. Wann haben Sie in Ihrer Tageszeitung über Ralph Tharayil gelesen, eine Vorstellung oder gar Kritik dieses Romans?
Der Bundesrat hat am Freitag, 9.6.23, das Vernehmlassungsverfahren zur Kulturbotschaft 2025 eröffnet. Die Frist läuft bis 22. September.
Als ob wir nicht schon schnell genug in Richtung Misstrauensgesellschaft unterwegs gewesen wären – jetzt greift noch eine Künstliche Intelligenz um sich, die dazu führt, dass wir bei keinem Text, keinem Bild mehr sicher sein können, ob es „fake“ ist. Aber ohne Vertrauen ist kein tätiges Leben, keine wirksame gesellschaftliche und politische Beteiligung möglich. Wer keine Vertrauensbeziehungen hat, vereinsamt als Mensch, als Bürgerin und Bürger.
Immer weniger Raum für Kulturkritik. Realistisch ist: Dem schweizerischen Kulturschaffen müssen neue Wege zu Sichtbarkeit und Resonanz erschlossen werden. Deshalb ist eine Plattform wie Viceversa Literatur* so wichtig.