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Förderung des Kulturjournalismus und journalistische Unabhängigkeit

Eine Kontroverse über neue kulturjournalistische Angebote gibt Anlass, sich mit journalistischer Unabhängigkeit und ihren Herausforderungen zu befassen.

In der NZZ vom 18.11.24 erschien eine ganzseitige Attacke gegen Journalismusförderung der Stadt Zürich, insbesondere betreffend ein Projekt des Theaterhauses Gessnerallee und das als links bezeichnete «Tsüri». Überschrift: «Subventionierte Kulturhäuser kaufen sich Journalismus nach ihrem Gusto. Zürcher Institutionen zahlen für redaktionelle Beiträge – mittendrin ein linkes Online-Magazin mit einträglicher Nähe zur Stadt.» (Link)

Journalistische Unabhängigkeit ist wichtig. Der Ruf, den sich ein Medium erwirbt, unabhängig oder abhängig zu informieren und zu kommentieren, beeinflusst seine Reputation, seine Beachtung, seinen Erfolg. Daran sind auch diejenigen interessiert, die zur Finanzierung beitragen: Seien sie Werbe-Auftraggebende, ein subventioniertes Theaterhaus oder eine kommunale, kantonale, eidgenössische Kulturförderstelle.

Journalistinnen und Journalisten werbe- und abonnementsfinanzierter Zeitungen erheben wie selbstverständlich den Anspruch, unabhängig zu berichten. Viele erheben ihn mit Recht, aber ganz so selbstverständlich ist ihre Unabhängigkeit nicht. Sich journalistisch mit wichtigen Werbe-Auftraggebenden anzulegen, gegen ihre wirtschaftlichen oder politischen Interessen zu schreiben, kann Nachteile zur Folge haben – ein altbekanntes, aber weiterhin aktuelles Thema. Sogar die Abonnementswerbung könnte die journalistische Unabhängigkeit einzuschränken. Zum Beispiel wenn die NZZ in Deutschland energisch und – dem Vernehmen nach – durchaus erfolgreich das WählerInnen- und Leserschaftspotenzial rechts von Union und FDP, rechts der «Frankfurter Allgemeinen» umwirbt.

Ob Journalismus abhängig wird, hängt sowohl von Berufsverständnis und Willenskraft der Journalistinnen und Journalisten als auch vom Bewusstsein der leitenden Organe des Mediums ab, dass der Ruf der Unabhängigkeit ein wichtiger Reputationsfaktor und deshalb auch ökonomisch erfolgsrelevant ist.

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Interessant ist die Stellungnahme des Medienwissenschafters Vinzenz Wyss im erwähnten NZZ-Artikel:

«Der Medienwissenschafter Vinzenz Wyss von der ZHAW bewertet diese Entwicklung ambivalent: Publikationen, die direkt von Kulturorganisationen finanziert würden, stünden stets im Verdacht, auch deren Lied zu singen – «und sei dies nur ein Verdacht». Andererseits könne man argumentieren, dass es sonst auf Dauer gar keine Berichterstattung mehr gäbe, wenn sich die Medienhäuser aus dem Lokalen zurückzögen. 

Dieser Trend gilt laut Wyss nicht nur für den Kulturbereich, sondern generell. Vor allem kleine Gemeinden spielten deshalb zunehmend mit dem Gedanken, eine gemeindeeigene Zeitung herauszugeben. Das Gleiche passiere nun auch bei den Kulturhäusern. Wyss fände es aber klüger, wenn solche Institutionen nicht selbst publizistisch tätig würden, sondern – wenn schon – gemeinsam eine Stiftung für Kulturjournalismus finanzieren würden. Dadurch wäre die publizistische Unabhängigkeit garantiert. Statt ein eigenes Medium auf den Markt zu bringen, könnten die so finanzierten Berichte auch in bestehende, unabhängige Titel integriert werden, sagt Wyss. Er verweist auf das Beispiel von «20 Minuten», wo die Wissensseiten während mehrerer Jahre von einer Stiftung finanziert wurden. 

Simon Jacoby von «Tsüri» wird das gerne hören. Ende September, bevor die ganze Debatte so richtig ins Rollen kam, unterhielt er sich in einem Podcast mit seiner ehemaligen Redaktionsleiterin Rahel Bains – und schlug ihr genau ein solches Stiftungsmodell vor. Das fände er besser, als wenn die Kulturhäuser jetzt ihre eigene Kommunikation ausbauten. Bains zweifelte, ob das «viel unabhängiger wäre als das, was wir in der Gessnerallee machen». Sie sagte aber auch: «Das ist eine smarte Idee.» Fortsetzung folgt.»

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Deklaration:

Der Verfasser dieses Artikels ist Präsident von ch-intercultur, Verein für Kulturkritik. ch-intercultur ist Herausgeber des kulturjournalistischen Pilotprojekts cültür.

 

 

 

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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