PolitReflex Newsletter Januar 2021.
Themen: Schweiz-EU, Schweiz-China, Rückblick auf eine Erbfeindschaft, Neutralität, Leben im Alter, Burkaverbot.
Themen: Schweiz-EU, Schweiz-China, Rückblick auf eine Erbfeindschaft, Neutralität, Leben im Alter, Burkaverbot.
Immer wieder diese implizite Selbstverständlichkeit, die Schweiz nicht mitzumeinen, wenn Europa kritisiert wird.
Jetzt ist so gut wie sicher, dass das Institutionelle Rahmenabkommen Schweiz-EU nicht zustande kommt. Selbst der Fraktionschef der FDP legt dem Bundesrat nahe, es zu „saldieren“, wenn die EU nicht in den entscheidenden Punkten entgegenkomme. Dass sie dies kann und will, ist höchst unwahrscheinlich.
Wie wird sich die Schweiz verhalten, nachdem die EU Sanktionen gegen China beschlossen hat? Sie könnte die Praxis des Courant Normal reaktivieren: Umgehungsgeschäfte zu verhindern. Claudia Blumer, Redaktorin des „Tages-Anzeigers“, erhebt am 21. Januar 2021 die berechtigte Forderung, dass sich die Schweiz diesen Sanktionen anschliesst.
Leider muss in der ersten Zeit nach dem Amtsantritt Präsident Bidens mit einer Zuspitzung von Konflikten gerechnet werden. Neue US-Präsidenten werden Härtetests ausgesetzt. Zwar wäre jetzt der Moment für vertrauensbildende Massnahmen, die auch im längerfristigen Interesse von Russland und China lägen. Westeuropa hätte Gehör dafür. Aber Wille und Fähigkeit zu Vertrauensbildung gehören leider kaum zu den Kompetenzen von Putin und Xi.
Noch gehen die Beurteilungen, ob ein Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU zustande kommt, auseinander. Aber angesichts der schwer zu überwindenden Widerstände in fast allen Teilen von Politik und Wirtschaft ist ein Scheitern wahrscheinlich. Die Nachteile für Marktzugang und Kooperationen, die dann drohen, können in ein paar Jahren eine Volksinitiative nötig machen. Das kann eine zweite Beitrittsinitiative sein, aber auch eine griffige Kurswechselinitiative.
Corona hat die Tendenz verstärkt, wenn immer möglich einen Heimeintritt zu vermeiden: Für betagte Angehörige und für sich selber. Gut ist, wenn dies zur Förderung neuer, gemeinschaftlicher Wohn- und Lebensformen führt. Aber auch künftig werden viele Menschen in Heimen leben, und dies oft relativ zufrieden. Viele leben dort besser, als wenn sie sich an ihre eigene Wohnung geklammert hätten, dort ungenügend gepflegt und betreut würden, und pflegende und betreuende Angehörige überfordert wären.
Ein Rahmenabkommen mit der EU hätte nur eine Chance, wenn mit der FDP wenigstens eine einzige Bundesratspartei entschlossen und geschlossen dafür einträte. Das wird nicht der Fall sein, wie die Forderung von Ständerat Thierry Burkart nach Verhandlungsabbruch und die zustimmenden Reaktionen zeigen, die er hierfür von einer Minderheit der FDP erhält.
„Soldaten, Abweichler – und Trumps zweite Anklage“ titelt der Tages-Anzeiger am 14.1.2021. Haben die Repräsentantinnen und Repräsentanten, die sich endlich gegen Trump stellen, die verächtliche Bezeichnung als „Abweichler“ verdient?
Nur 7’000 Unterschriften haben die radikalen Klima-AktivistInnen für das Referendum gegen das CO2-Gesetz zusammengebracht: Für das Zustandekommen des Referendums irrelevant, bei 110’000 Unterschriften von SVP und diversen Verbänden. Aber in der Abstimmung könnten sie den Ausschlag geben.
Die politische Agenda 2021 droht die sozialliberalen, ökoliberalen, den Grundrechten verpflichteten und europapolitisch offenen Kräfte in der Schweiz zu überfordern. Bringt 2021 einen plebiszitären Wiederaufstieg der SVP?
Die Französische Revolution beendete die Zeit der Fürsten- und Söldnerkriege und eröffnete die Epoche der Volkskriege. Ausgehend vom Unvermögen des französischen Königs Ludwig XVI., mit dem Dritten Stand ein neues politisches Zeitalter einzuleiten und dadurch die Revolution zu verhindern, führte eine Abfolge von Fehlleistungen und fatalen Machtergreifungen Frankreich und Deutschland in jene „Erbfeindschaft“, welche nach dem Zweiten Weltkrieg General Charles de Gaulle, Chef der France Libre, als Staatspräsident beendete.