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Die Weltkriege des 20. haben Ursachen im 18. und 19. Jahrhundert.

Die Französische Revolution beendete die Zeit der Fürsten- und Söldnerkriege und eröffnete die Epoche der Volkskriege. Ausgehend vom Unvermögen des französischen Königs Ludwig XVI., mit dem Dritten Stand ein neues politisches Zeitalter einzuleiten und dadurch die Revolution zu verhindern, führte eine Abfolge von Fehlleistungen und fatalen Machtergreifungen Frankreich und Deutschland in jene „Erbfeindschaft“, welche nach dem Zweiten Weltkrieg General Charles de Gaulle, Chef der France Libre, als Staatspräsident beendete.

„Es gehört sicherlich zu den grössten Verdiensten Charles de Gaulles, dass er nach 1945 kein ‚drittes Versailles‘ folgen liess, sondern mit dem Elysée-Vertrag vom 22. Januar 1963 die Kette gegenseitiger Demütigungen durchbrach“, schreibt der Historiker Clemens Klünemann in einem Artikel über die Proklamierung des deutschen Kaiserreichs und die Inthronisation des Kaisers Wilhelm II. am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses Versailles, nach der Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg. (NZZ 9.1.2021, S. 45, Link)

Die Entwicklung des Verhängnisses soll hier nur skizziert werden, als Anreiz, sich näher mit den Vorgängen und Personen zu befassen, die Europa dorthin führten, wo es heute steht.

Deutsche Fürsten gingen militärisch gegen die französische Revolution vor – und scheiterten. Goethe nahm als Minister des Herzogtums Weimar an diesem Feldzug teil und hielt diese Erfahrung in „Kampagne in Frankreich“ fest. Die Revolutionstruppen schlugen zurück und besetzten Teile Deutschlands, durchaus auch im Willen, das republikanische Prinzip zu verbreiten.

Es folgte Napoleon Bonaparte, gewillt und zunächst auch fähig zur Beherrschung weiter Teile Europas, von Hamburg bis Italien, aber unfähig zum Masshalten, zur Konsolidierung seiner Macht. Mit dem Russlandfeldzug ging er den entscheidenden Schritt zu weit. In Deutschland zerfiel die zunächst verbreitete Sympathie für das Konzept der Republik und wich mehr und mehr dem Hass auf Frankreich. Preussen modernisierte sich und erstarkte.

Als weitere Entwicklungsstufe des Verhängnisses sei die Machtergreifung Napoleons III. genannt. In fataler Überschätzung der französischen Kräfte und der politischen Entwicklung in Deutschland führte Napoleon III. Frankreich in eine blutige Niederlage. Er selber geriet in Gefangenschaft.

Die Gründung des deutschen Kaiserreichs leitete das Ende der refolgreichen Realpolitik Bismarcks ein – und Bismarck war sich dessen sogleich bewusst. Vielleicht wäre es trotzdem nicht zum Ersten Weltkrieg gekommen, wenn 1888 Kaiser Friedrich III. nicht ein halbes Jahr nach der Inthronisation gestorben und Wilhelm II. sein Nachfolger geworden wäre. 1890 entliess Wilhelm Bismarck als Reichskanzler und machte dadurch den Weg frei für sein eigenes, letztlich unrealistisches, überambitiöses aussenpolitisches Konzept.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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