Corona führt einen Zangenangriff auf das Leben im Heim: Zunächst durch Besuchsverbote und -einschränkungen, die zu einsamem Leben und Sterben führten, und dann durch immer zahlreichere Todesfälle in den Heimen und immer heftigere Kritik an mangelnden Sicherheitsmassnahmen:
„La crainte sanitaire, mais aussi celle de ne plus pouvoir approcher leurs parents ou leurs grands- parents, la peur de les laisser mourir sans pouvoir les accompagner convenablement, tout cela incite à reporter un placement“ („Le Matin Dimanche“, 17.1.21, in einem Bericht über den Rückgang der Bettenbelegung in Westschweizer Heimen).
Aber wer berichtet über die Auswirkungen von Corona auf betreuungs- und pflegebedürftige Menschen, die noch in ihrer eigenen Wohnung leben, und auf ihre pflegenden und betreuenden Angehörigen? Richtigerweise warnt die Ärzteschaft davor, aus Angst vor einem Spitalaufenthalt eine dringende Spitalbehandlung aufzuschieben. Verhängnisvoll kann sich aber auch auswirken, wenn nun noch mehr alte Menschen, die zu Hause nicht mehr angemessen gepflegt und betreut werden können, vom Heimeintritt abgehalten werden.
„Alternativen wie betreutes Wohnen oder Alters-WGs lösen das klassische Heim zunehmend ab“, lesen wir in der „SonntagsZeitung“ (17.1.21) unter dem Titel „Wohin mit den Alten'“: «Selbstbestimmtes Leben» lautet das schon fast überstrapazierte Losungswort. Wenn das Heim trotzdem unumgänglich ist, spielen grosszügige Platzverhältnisse – auch im Eingangsbereich und in den Gemeinschaftsräumen – eine bedeutendere Rolle.“
Mehr neuartige Lebens- und Wohnformen im Alter sind zu wünschen und zu fördern, aber sie können nicht aus dem Boden gestampft werden. Sie stellen auch neue Anforderungen an professionelle Betreuung und Pflege.
Generell ist zu berücksichtigen: Je mehr pflege- und betreuungsbedürftige Menschen zu Hause oder in neuen gemeinschaftlichen Wohnformen leben, desto mehr wächst der Bedarf nach professioneller ambulanter Pflege (Spitex) und Betreuung.