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Was halten Leute wie Roger Köppel von der Lage des russischen Journalismus?

Das Beste, was eine Regierung für ihre Glaubwürdigkeit tun kann, ist die Zulassung – mehr noch: der Schutz – eines unabhängigen Journalismus. Dabei geht es primär um die eigenen Landsleute, die journalistisch tätig sind, sekundär auch um die Korrespondentinnen und Korrespondenten ausländischer Medien. Was schliessen wir dann aus der Unterdrückung journalistischer Freiheit?

Würde Putin die journalistische Unabhängigkeit nicht unterdrücken, hätten russische Journalistinnen und Journalisten zum Beispiel Recherchen über die Vorwürfe unternommen, die russische Armee habe Kriegsverbrechen begangen, und diese publiziert. Von unabhängigem Journalismus ist zu erwarten, dass er auch entlastende Feststellungen aufnimmt und darüber berichtet.

Unabhängige russische Journalistinnen und Journalisten wären auch den kruden Atomdrohungen von Propagandisten (à la „als Erstes zerstören wir London“) nachgegangen und hätten Fachleute von Physik, Medizin, Militärtechnologie Bevölkerungsschutz über die Auswirkungen eines atomaren Schlagabtauschs auf Russland selbst befragt. Dies führt auf eine weitere Frage: Hätten sie kompetente und unabhängige Fachleute gefunden? Nein. Entweder schweigen sie, sind im Gefängnis oder im Exil.

Die „Weltwoche“ lässt Verteidiger der russischen Position grosszügig zu Wort kommen, in Interviews und anderen Artikeln, und Roger Köppel gibt ihnen weitgehend recht.  Hat sie unabhängige russische Berufskolleginnen oder -kollegen befragt? Wenn mir nichts entgangen ist: Nein. Weil es keine mehr gibt? Würde Roger Köppel zugeben, dass Putin den unabhängigen Journalismus niedergemacht hat?

Es gibt noch unabhängigen russischen Journalismus, aber im Exil, und seine Möglichkeiten, in Russland und im Kriegsgebiet zu recherchieren, sind sehr beschränkt, da höchstens mit diskreten Kommunikationsmitteln möglich.

Hierzu ein konkreter Hinweis: Die Redaktion der unabhängigen „Novaya Gazeta“ ist ins Exil gegangen und arbeitet weiter. Auch in der Schweiz wurde für sie ein Unterstützungsverein gegründet (Link1 Link2).

Zur Lage des russischen Journalismus siehe auch „Reporter ohne Grenzen“: Link.

Siehe auch:

„Menschenrechte – eine innere Angelegenheit?“ (Link)

„Nur durch Zulassung freier journalistischer Arbeit könnte China sein Ansehen verbessern“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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