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NZZ Berlin preist Deutschland das Modell „Einbindung der SVP“ an

Das war zu erwarten: Die Berliner Redaktion der NZZ kann dem Wahlausgang in Sachsen und Thüringen viel abgewinnen. Das zeigt schon der Titel des Kommentars von Marc Felix Serrao, Chef in Berlin (3.9.24): „Die Ostdeutschen sagen dem Zeitgeist den Kampf an.“

Die Redaktion bleibt auf Kurs: Die AfD muss mitregieren können – nach Vorbild der SVP. Schon im Februar dieses Jahres war festzustellen: „Die NZZ hat sich entschieden: Die AfD muss mitregieren können“ (Link)

Der Umgang mit der SVP sei „ein schönes Beispiel“, findet Serrao. „Die rechte Partei regiert das Land selbstverständlich mit. Das sorgt einerseits dafür, dass sich Menschen vom Bundesrat repräsentiert fühlen, die sich andernfalls von der Politik abwenden würden. Andererseits mässigt und diszipliniert die Verantwortung die SVP, die sich in Ton und Inhalten deutlich von den völkischen Krawallmachern der AfD unterscheidet.“

Als ob die SVP nicht gerade dadurch zum Modell für AfD und FPÖ geworden wäre, dass sie die Oppositionsrolle trotz Regierungsmandaten immer weiter treibt – nicht nur mit Parolen, sondern mehr noch mit Taten. Beispiele: In „unheiliger Allianz“ mit den Gewerkschaften treibt sie die Verhandlungen der Schweiz mit der EU und deren Ergebnis dem Misserfolg entgegen. Sie will der Schweiz die militärisch längst notwendig gewordene Verteidigungsvorbereitung mit der Nato verwehren, auch mit einer „Neutralitätsinitiative“. Sie widersetzt sich rigoros dem Klimaschutz. Sie ernennt den Putin-Propagandisten und Orban-Verehrer Roger Köppel zum Nachfolger Christoph Blochers als Keynote Speaker der jährlichen repräsentativen „Albisgüetli-Tagung“.

Fürwahr – ein nachahmenswertes Vorbild für AfD und FPÖ.

Dass in dieser Modell-Schweiz auch die SP eine Oppositionspartei mit Ministern ist, blendet Serrao aus:

„«Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören: in ihre Löcher.» So hat Franz Josef Strauss einst den Hauptgegner des bürgerlichen Lagers markiert. Die harsche Wortwahl mag heute befremdlich klingen. Aber damals wusste nicht nur die CSU, sondern auch die Schwesterpartei CDU noch, wo die Gegenseite stand, und vor allem, wo sie selbst standen: auf der Seite der Marktwirtschaft, der Wehrfähigkeit, der Familie. Heute jagen Deutschlands Bürgerliche die Sozialisten nicht mehr in irgendwelche Löcher, sondern in die gemeinsame Regierung. Wer es bildlich mag, kann sich im Hintergrund die verkohlten Reste einer «Brandmauer» nach links aussen vorstellen.“

Dem Rechtsextremismus steht in Deutschland nicht der „Zeitgeist“ entgegen, sondern ein anderes Deutschland: Ein Deutschland, das verhindern will, dass die Rechtsextremen noch einmal Unheil über Deutschland und die Welt bringen. Ein anderes Deutschland, zu dem auch Nachfahren des Widerstands gegen Adolf Hitler gehören – ihre Warnung passte NZZ Berlin nichts ins politische Konzept. Sie verschwieg sie.

Mehr dazu:

„Die AfD lässt sich nicht entzaubern“ (Link)

„Thüringen, Sachsen: Mehr als zwei Drittel gegen Rechtsextreme“ (Link)

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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