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„America First“ – wie weit könnte Trump Putin vordringen lassen?

Putin und Europas Rechtsextreme hoffen auf die Rückkehr Donald Trumps ins Präsidentenamt. Aber wenn Trump „America First“ hochhält, muss er versuchen, einem Vormarsch Putins nach Westen Grenzen zu setzen.

Als sicher kann gelten, dass Trump die Ukraine fallen liesse, und wahrscheinlich unternähme er auch nichts gegen eine Machtübernahme Russlands in der Republik Moldau und in Georgien.

Bevor man die Frage stellt, ob Trump den europäischen NATO-Partnern den nuklearen Schutzschild entzöge, sie also nuklearer Erpressung Russlands aussetzen würde, muss man sich mit den Interessen befassen, die Trump auch im Sinne von „America First“ wahren müsste. Es sind militärstrategische und ökonomische Interessen. Militärstrategisch: Trump müsste wohl zu verhindern versuchen, dass Russland Marine- und Luftwaffenstützpunkte an den westlichen Küsten Europas einrichtet. Ökonomisch: Die USA sind interessiert daran, dass grosse Teile Europas als Märkte intakt und zugänglich bleiben, die US-amerikanische Produkte und Dienstleistungen abnehmen.

Würde Trump hinnehmen, dass Putin die militärische und politische Kontrolle über die Länder des ehemaligen Warschauer Pakts wiederherstellt? Die USA haben nach dem Zweiten Weltkrieg rund 45 Jahre lang mit dieser Situation gelebt. Allerdings stehen nun ehemalige Ostblockstaaten den USA ideell und politisch sehr nahe. Zuzulassen, dass Putin die Kontrolle etwa über Polen ergreifen würde, wäre ein krasser Vertrauensbruch. Trotz Putins Säbelrasseln gegen Polen würde Trump wohl versuchen, mit ihm in einem „Jalta minus“ den Fortbestand der Unabhängigkeit Polens und derjenigen zumindest eines Teils der ehemaligen Warschau-Pakt-Staaten auszuhandeln und zu sichern. Schwer vorhersehbar ist, ob und wie er sich für die Unabhängigkeit der baltischen Staaten und für die militärische Sicherheit der nordeuropäischen einsetzen würde.

Nun wird also überlegt, ob Trump den europäischen NATO-Partnern den nuklearen Schutzschild entzöge. Einleuchtend wäre, dass er ihn auf jene Teile Europas reduzieren würde, die nach dem Prinzip „America First“ nicht unter die militärische und politische Kontrolle des Kreml fallen sollen.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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