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„Machtspiel“ – wenn die beliebte Spielmetapher Verharmlosung und Selbsttäuschung ist.

Ein „Machtspiel“ sei es, lässt sich ein SVP-Ständerat im Tages-Anzeiger vom 24.7.2021 zitieren, wenn der Europäische Forschungsrat an Forschende in der Schweiz schreibe, sie könnten nur an EU-Forschungsprogrammen teilnehmen, wenn sie in ein EU-Land zögen. Nur ist das leider kein Spiel, sondern bitterer Ernst: Eine Folge des Abbruchs der Verhandlungen über das Rahmenabkommen.

Die Spielmetapher mobilisiert eine Wertvorstellung: Ernst ist gut. Spiel, zumal in der Politik – dem Lebensbereich, in dem der Ernst des Lebens der ernsteste ist – ist verwerflicher Unernst.

Wer „Machtspiel“ sagt, erhebt den Anspruch: „Ich bin ernst, ich bin seriös und verantwortungbewusst, ich weiss und ich sage, was Sache ist. Du, Gegner, bist ein Spieler, der keinen Respekt verdient. Der Ernst des Lebens wird dein Spiel als Farce, als Komödie, vielleicht Tragikomödie entlarven. Drum ermutige ich meine Anhängerinnen und Anhänger, sich durch dein Spiel nicht beeindrucken zu lassen.“

Die Spielmetapher kann Verharmlosung und Selbsttäuschung sein. Der Bundesrat hat den Weg zum unprivilegierten Drittstaat der EU eingeschlagen – vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein, beteuert er doch bis heute, er wolle und könne den bilateralen Weg weitergehen. Die erwähnte Auskunft des Europäischen Forschungsrates an Forschende in der Schweiz entspricht ihrer Behandlung als Drittstaat.

Gegenüber der Schweiz wäre es vielleicht netter gewesen, der Europäische Forschungsrat hätte den Forschenden nur eine Absage erteilt. Die Forschenden hätten ja dann selber herausgefunden, dass sie durch Umzug in ein EU-Land an EU-Forschungsprogrammen partizipieren können.

Noch auf eine andere Verharmlosung ist hinzuweisen: Es geht nicht nur um ausbleibende EU-Forschungsgelder. Diese könne der Bundesrat ersetzen, heisst es – er schwimmt ja dank Corona mehr denn je im Geld… Aber die Universitäten haben immer darauf hingewiesen, dass der Wert der Beteiligung an internationalen Forschungsprogrammen nicht nur ein finanzieller ist. Es geht auch um die internationale Beachtung und Anerkennung der Forschungsresultate und damit um die Voraussetzungen der individuellen Qualifikation und Weiterentwicklung der Forschenden.

Auszug aus  Bericht des Tages-Anzeigers vom 24.7.21, S. 5:

„Swissuniversities, die Dachorganisation der Schweizer Hochschulen, schreibt auf Anfrage, Übergangslösungen genügten nicht. Das Risiko, dass Forschende abwanderten, weil sie nicht mehr Zugang zu den prestigeträchtigen europäischen Grants hätten, sei real. Swissuniversities fordert den Bundesrat und das Parlament auf, die Beziehungen zur EU so schnell wie möglich zu stabilisieren. «Heute sieht sich die Forschung als Geisel in einem politischen Spiel», schreibt die Dachorganisation.“

In einem politischen „Spiel“? Immerhin scheint Swissuniversities ZWEI „Spieler“ beim gambeln zu sehen…

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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