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Die Schweiz braucht wohl einige Jahre des Kräftemessens mit der EU

Jetzt zerschlagen sich die Hoffnungen, die EU könnte ihre Forderung nach baldigem Abschluss eines Rahmenabkommens mildern. Die Kommission nimmt auch auf die bevorstehende Abstimmung am 17. Mai über die Kündigungsinitiative (Begrenzungsinitiative) keine Rücksicht mehr. Sie fordert eine Stellungnahme der Schweiz bis 25. Mai: „Die EU gibt der Schweiz neun Tage Zeit“ (Stephan Israel und Luca de Carli, Tages-Anzeiger 1.2.20, S. 4). Damit lanciert die EU diese Stellungnahme wuchtig als Thema dieses Abstimmungskampfs.

Wer will, dass die Kündigungsinitiative abgelehnt wird, muss diese Forderung der EU zurückweisen. Mittelfristig sind konstruktive, vertraglich basierte Beziehungen zur EU erstrebenswert, vielleicht sogar ein Beitritt, aber der Weg dazu führt über ein mehrjähriges Kräftemessen mit der EU. Offenbar sieht das auch die EU so. Einige Konfliktjahre sind nötig, damit eine Mehrheit der Stimmberechtigten eine gemeinsame Beurteilung entwickelt, was sich die Schweiz gegenüber der EU leisten kann und wo die Grenzen sind.

Parallel dazu wird sich klären, ob Prognosen zutreffen, dass die EU schwächer wird und die Schweiz in einem Verbund mit Grossbritannien und dissidenten EU-Staaten auf ein anderes Europa hin arbeiten kann. Und es wird besser beurteilbar, ob und in welchem Masse die Schweiz auf Märkten ausserhalb der EU Marktanteilsverluste kompensieren kann, die sie auf EU-Märkten erleidet. Ich halte es für wahrscheinlich, dass der Konflikt die Bereitschaft in der Schweiz erhöhen wird, mit der EU – oder mit dem, was von ihr bleiben wird – neue Kompromisse zu suchen.

Wer jetzt befürwortet, dass die Schweiz auf die nun so provokant befristete Forderung der EU eingeht, fordert den Stolz vieler Schweizerinnen und Schweizer heraus und kann sich dadurch bereits in der Auseinandersetzung um die Kündigungsinitiative entscheidend schwächen.

Link zum Bericht „Die EU gibt der Schweiz neun Tage Zeit.“

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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