PolitReflex Monatsbrief März 2023
Credit Suisse / UBS; Wahlen; militärische Verteidigung und Neutralität; Schweiz und EU
Credit Suisse / UBS; Wahlen; militärische Verteidigung und Neutralität; Schweiz und EU
Seit es die NATO gibt, rechnete die Schweizer Sicherheitspolitik fest damit, dass die NATO dem Nichtmitglied Schweiz umfassenden Schutz und jede notwendige Zusammenarbeit gewähre. Diese vermeintliche Selbstverständlichkeit geht nun zu Ende.
Klima, Europa, Neutralität, Ukraine, Einwanderung lassen sich nicht vom Wahlkampf fernhalten. Nicht nur wegen ihrer Bedeutung, sondern auch weil die SVP sie zu Hauptthemen ihrer Kampagne macht. Sie greift damit die Parteien an, die sie gleichzeitig zu Wahlunterstützung, insbesondere zu Listenverbindungen aufruft: FDP und Mittepartei.
In der Schweiz – wie wohl in den meisten europäischen Ländern – wächst der Bevölkerungsteil mit sozialen Nöten und Sorgen. Dies wirkt sich nicht nur dadurch aus, dass im Wahlkampf die unmittelbar sozialrelevanten Kontroversen in den Vordergrund rücken, sondern auch indirekt.
Die Schweizer Armee soll mit grossen finanziellen Mehrbeträgen nachgerüstet werden. Aber auch dies wird nicht dazu führen, dass sie im Verteidigungsfall die Schweiz ab Landesgrenze ohne ausländische Unterstützung verteidigen kann. Selbstverständlich darf, wer dies anders sieht, zum Beweis antreten.
„Schweizer Waffen dürfen nicht in Kriegen zum Einsatz kommen.“ Das sagt der Präsident einer Regierung, die genau und offiziell weiss, dass die Schweiz im Verteidigungsfall darauf angewiesen ist, dass ausländische Waffen zugunsten der Schweiz zum Einsatz kommen. Und ausländische Truppen. („NZZ am Sonntag“, 12.3.23)
Eine groteske Dogmatisierung der Neutralität zwingt zu einer illusionslosen Beschäftigung mit dem Verteidigungsfall. Sich auf diesen vorzubereiten, ist die offizielle Hauptaufgabe der Armee. Aber der Chef der Armee sagt: „Nach ein paar Wochen wäre Schluss.“
Als „Dealmaker“ bezeichnet Roger Köppel, Bereichsleiter Europapolitik der SVP Schweiz, Donald Trump in seinem Interview mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban (Weltwoche, 2.3.23). Ob Trump die Ukraine am Dealmaking beteiligen und welchen Preis er ihr zumuten würde, ist für die Gesinnungsfreunde Orban und Köppel keine Rede wert.
Einigung mit dem britischen Premierminister über die Anwendung der Brexit-Regeln auf Nordirland, Vermittlung zwischen Serbien und Kosovo: Innert weniger Tage zwei Vorgänge, die Hoffnung nähren – auch wenn ihre dauerhafte Bedeutung im ersten Fall davon abhängt, dass sich der britische Premierminister in seiner Partei damit durchsetzen kann, im zweiten Fall, dass die Regierungen der beiden Parteien das Vermittlungsergebnis wirklich umsetzen.