Wie weiter mit der deutschen Regierung?
Könnte der Union die Mehrheitsbildung für ein konstruktives Misstrauensvotum gelingen?
Könnte der Union die Mehrheitsbildung für ein konstruktives Misstrauensvotum gelingen?
„Symptomatisch lässt sich parallel zur Verdeutschung der Schweiz der schleichende Niedergang der Schweizer FDP beobachten. Einst prägende Staatspartei, muss sie allmählich darum bangen, noch zwei Sitze in der Regierung zu haben. Gut möglich, dass sie in zehn Jahren Randpartei ist wie die FDP in Deutschland.“ (Benedict Neff, „Die Verdeutschung der Schweiz – eine Warnung“, NZZ 27.6.2022)
In der NZZ wird nun die Frage aufgeworfen, ob Nationalrätin Martullo-Blocher mit wachsender Unterstützung für ihre Forderung nach Gas- und Friedensverhandlungen mit Putin rechnen darf. Die Widerstands- und Leidensfähigkeit von Demokratien könnte aber unterschätzt werden – ein Beispiel aus dem 20. Jahrhundert.
Die Schweiz im Sicherheitsrat der UNO – Neuregelung der Beziehungen Schweiz-EU – Mit Putin verhandeln? – FDP und SVP.
Mit Putin kann und will man nicht verhandeln. Dies ist die aktuell in den westlichen Staaten vorherrschende Überzeugung. Die Versuche, mit Putin eine Friedensordnung zu erhalten, seien gescheitert – wie damals das „Appeasement“ mit Hitler. Aber es gibt Ausnahmen – so Magdalena Martullo-Blocher, die Gas- und Friedensverhandlungen mit ihm fordert.
In der Wahlen 2023 müsse sich die Zürcher FDP mit der SVP zusammenschliessen, fordert ein NZZ-Redaktor in einem Kommentar zur Ausgangslage der Ständeratswahl. Offenbar egal, was die SVP bis dahin noch unternimmt. Egal, wie sie sich bis dann zur FDP stellt. Egal, wer für sie in den Ständerat kandidiert. Egal, dass die Zeit vorbei ist, da Freisinnige meinen konnten, nur durch die SVP herausgefordert zu sein. Egal, dass sich Liberale den Grünliberalen zuwenden können, wenn die FDP sie durch einen Schulterschluss mit der SVP abstösst.
Die Links- und Rechtsradikalen, die in den Wahlen zur französischen Nationalversammlung gestärkt wurden, haben kaum gemeinsame Ziele, wohl aber dieses: Den vorzeitigen Rücktritt des Staatspräsidenten zu erzwingen – in Erinnerung an Charles de Gaulle, der 1969 nach einer Referendumsniederlage zurücktrat. Der Tradition der Linken entspricht es, dieses Ziel auch mit Streiks und Strassenprotesten zu verfolgen. Auf der Strasse zu mobilisieren ist auch von der radikalen Rechten zu erwarten. Die Républicains, die gemässigten Rechten, stehen vor schwierigen Entscheidungen, aber die neue Lage ist auch eine Chance für sie.
„Cassis würde gescheiter mit Maillard als mit Šefčovič verhandeln“ (D. von Burg, SonntagsZeitung 19.6.22). Richtig. Aber die Gewerkschaften bewegen sich wohl erst, wenn sie nicht mehr umhin kommen, reale Nachteile von Marktanteilsverlusten der Schweizer Wirtschaft für Schweizer Arbeitnehmende, für deren Löhne und Beschäftigung stärker zu gewichten als ihre Ablehnung des EU-Gerichtshofs in Luxemburg.
Die Europäische Union ist interessiert an guten politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Ländern, die zur Zeit oder auf Dauer nicht beitreten können. Dadurch kann der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) an Bedeutung gewinnen. Auch für die Schweiz?
Die Meinung breitet sich aus, dass Putin fest entschlossen sei, auch die baltischen Staaten ins russische Imperium zu holen. Was dies militärstrategisch bedeutet und erfordert, ist weniger klar erkennbar.
Die Zugehörigkeit der Schweiz zum UNO-Sicherheitsrat fällt ins nationale Wahljahr 2023. Die SVP wird Stimmverhalten, Handlungen, Unterlassungen im Sicherheitsrat nutzen, ihre Fundamentalopposition in ein Dauerfeuer gegen Bundesrat, EDA, UNO-Botschafterin und Aussenpolitische Kommissionen umzusetzen. Aber auch bei anderen Parteien, bei NGO’s und Wirtschaftsverbänden kann punktuelle oder generelle Unzufriedenheit aufkommen.
Unabhängig davon, wie viel oder wenig die Schweiz im UNO-Sicherheitsrat bewirken kann, wird es für die schweizerische Aussen-, Europa- und Sicherheitspolitik klärend sein, zwei Jahre lang Möglichkeiten, Grenzen und Entwicklung der UNO aus nächster Nähe zu beobachten.