Teile des Linksbündnisses haben sich Mélenchon nur mit Unbehagen unterstellt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie radikalen Forderungen, wie etwa zur Distanznahme von der Europäischen Union oder der NATO und zur Annäherung an Russland, die Unterstützung verweigern.
Die gemässigten Bürgerlichen haben Macron den Weg zur ersten Wahl zum Staatspräsidenten geebnet, indem ihr zuvor aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat François Fillon mitten im Wahlkampf wegen einer Korruptionsaffäre unwählbar wurde. Nun sind sie in eine Schlüsselposition geraten und stehen vor einer schwierigen Grundsatzfrage. Ein Républicain erinnerte in der Wahlnacht an einem französischen Fernsehsender daran, dass die Weimarer Republik, die erste deutsche Demokratie, durch Rechts- und Linksextremisten gemeinsam zu Fall gebracht wurde. Das war ein Appell an die eigenen Reihen, nicht zur Unregierbarkeit Frankreichs beizutragen. Ein anderer republikanischer Parteiführer hingegen erklärte, man sei und bleibe Oppositionspartei. Das Eine braucht das Andere nicht auszuschliessen.
Hauptziel der Républicains muss wohl sein, sich für die nächsten Präsidentschaftswahlen wieder zu einer aussichtsreichen Kandidatur zu befähigen. Dies verlangt wohl, von einer Bindung an die Regierung oder an eine der beiden Oppositionskräfte abzusehen, eigene Forderungen zu stellen und für diese die Unterstützung der Regierung oder gemässigter Teile der Opposition zu suchen, in einem geschickt gespielten Spiel von Leistung und Gegenleistung. Möglich ist leider auch, dass Flügelkämpfe neu ausbrechen und die notwendige Aufbauarbeit lähmen.
Auch die erstarkten Oppositionsparteien werden auf Grenzen stossen. In wichtigen politischen Geschäften werden sich Links- und Rechtsradikale bekämpfen, und man muss sogar hoffen, dass diese Kämpfe nicht – wie in der Weimarer Republik – auf die Strasse übergreifen. Auf der Linken wird es zu Spannungen zwischen Gemässigten und Radikalen kommen.