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Wachsende Kriegsgefahr mit Nuklearmächten – Europa muss Politik der Kriegsverhinderung stärken

Zwei Forschungsteams legen eine Studie über die weltweiten Folgen eines Atomkriegs zwischen Indien und Pakistan vor. Das eine Team gehört zu einer Institution, die völlig unverdächtig ist, pazifistisch zu sein: zur NASA. Dieses Forschungsprojekt ist verdienstvoll in einer Zeit, in der an mehreren Brennpunkten die Gefahr eines Kriegs unter Beteiligung einer Nuklearmacht oder gar zwischen Nuklearmächten wächst. Darf man darauf hoffen, dass ein solcher Krieg „konventionell“ bleibt?

Einem Bericht der Wissenschaftsredaktion des Tages-Anzeigers, erschienen hinter Paywall am Freitag, 29.5.2020, entnehmen wir, dass Forscher vom Nasa Goddard Institute for Space Studies und dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung die Folgen eines Nuklearkriegs zwischen Indien und Pakistan untersucht haben. Dieser könnte eine globale Lebensmittelkrise auslösen und möglicher weise eine mehr als ein Jahrzehnt andauernde Hungersnot verursachen.

Link zur NASA-Publikation.

Link zur Mitteilung des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung.

Wir beobachten die Eskalation von Konflikten, an denen Nuklearmächte beteiligt sind oder sich direkt gegenüberstehen: Zwischen China und den USA um Taiwan und das Südchinesische Meer, zwischen den USA und Iran, zwischen Indien und China, zwischen Russland und der Türkei in Libyen, um vier besonders gefährliche Fälle zu nennen.

Wenn es an einem dieser Brennpunkte zu einer militärischen Eskalation kommt, kann sie zunächst konventionell, also ohne Einsatz von Atomwaffen, anlaufen. Aber wenn dann einer beteiligten Nuklearmacht eine Niederlage droht, bräuchte es wohl ein politisches Wunder, damit sie ihre Atomwaffen nicht einsetzt.

Ein weiteres Eskalations-Szenario ist in Betracht zu ziehen: Sollte es zu Krieg zwischen China und den USA kommen, wird die Versuchung Russlands gross, die Gunst der Stunde zu nutzen, um die baltischen Staaten wieder zu besetzen. Damit würde sich die Aussicht auf einen Weltkrieg eröffnen.

Auf das Risiko hin, sich gegen den Vorwurf der Naivität wehren zu müssen: Europa muss angesichts dieser Bedrohungen eine Politik der Kriegsverhinderung entwickeln und stärken. Das ist nicht unmöglich. Hauptansatzpunkt ist das wirtschaftliche Interesse der Nuklearmächte, aber auch ihrer (vielleicht noch) nichtnuklearen Konfliktgegner, an der Vermeidung eines Kriegsausbruchs oder einer kriegerischen Eskalation. Und wenn ich Europa schreibe, meine ich die Schweiz immer mit.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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