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Die Schweiz, das optimal Nato-geschützte „Donut-Loch Europas“?

Peter Bodenmann, ex SPS-Präsident, bringt eine verbreitete Überzeugung prägnant auf den Punkt: Weshalb soll die Schweiz militärisch nachrüsten? Die NATO würde uns verteidigen – gratis, in ihrem Eigeninteresse.

Bodenmann hat eine wöchentliche Kolumne in der „Weltwoche“. In der ersten Ausgabe 2024 schreibt er:

„(…) Es ist noch gar nicht lange her, dass Oberst Christoph Blocher für eine Guerilla-Armee war, die den Bund pro Jahr höchstens drei Milliarden Franken kosten würde. Die Schweiz (…) als Gaza-City im Quadrat. Wäre militärisch immer noch weit abschreckender als der ganze Nato-Firlefanz. Die Gruppe Schweiz ohne Armee sollte diese Mumie ausgraben. Denn die Militärausgaben der Schweiz sind bereits heute weit höher als ausgewiesen. (…) Obwohl wir das von der Nato militärisch optimal geschützte Donut-Loch Europas sind. Unabhängig davon, ob wir bei der Nato mitmachen.“

*

Wenn der Bundesrat und eine Mehrheit des Parlaments sich nun anschicken, die militärische Bereitschaft der Schweiz zu erhöhen, werden sie Widerstände althergebrachter Meinungen überwinden müssen. Von der einen war hier schon die Rede: Man hält den Eintritt des Verteidigungsfalls für unwahrscheinlich oder gar unmöglich.

Eine andere: Ein neutrales Land muss seine Grenzen allein schützen. Schon General Guisan und der Bundesrat seiner Zeit wussten, dass dies gegen eine Grossmacht nicht möglich ist. Sie vereinbarten mit Frankreich eine gemeinsame Verteidigung im Fall, dass Wehrmacht und SS durch die Schweiz Richtung Westen vorstossen und dabei die Schweiz besetzen wollten. Die deutsche Führung entschloss sich dann für den Vorstoss im Norden, Frankreich kapitulierte, General und Bundesrat zogen das Gros der Armee ins Alpenréduit zurück.

Und dann eben die Meinung, die hier Bodenmann äussert, und mit der er keineswegs allein steht. Ich vernahm sie zum Beispiel vor Jahren von einem rechts stehenden, einflussreichen Schweizer Publizisten: Die Nato schützt die Schweiz sowieso, auch wenn sie ihr nicht beitritt.

Nicht zu bestreiten ist: Wenn die russische Armee durch Ungarn und Österreich bis zu Rhein und Bodensee vorgestossen ist, ist es im Interesse der Nato, einen raschen Weiterstoss durch die Schweiz zu verhindern. Aber die gemeinsame Verteidigung muss für diesen Fall ebenso vorbereitet werden, wie damals gegen einen Angriff der Nazis. Das bedeutet: Die Schweizer Armee muss fähig sein, ihren eigenen Beitrag zur gemeinsamen Verteidigung zu leisten. Dies vor allem für den wahrscheinlichen Fall, dass die Nato auch weiter nördlich angegriffen würde, und ihre Mittel deshalb nicht genügen würden, um den Stoss durch die Schweiz zu verhindern.

Richtigerweise wird die Fähigkeit der Schweizer Armee zur Zusammenarbeit mit der Nato schon heute vorbereitet und teilweise geübt. Es geht darum, diese Vorbereitungen so weiterzuführen, dass sie den Anforderungen von heute und morgen genügen.

Bodenmann empfiehlt der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA), die Guerilla-Strategie neu zu lancieren. Deren Möglichkeiten und Grenzen wurden während des Kalten Kriegs gründlich durchdacht. Darauf kann zurückgegriffen werden. Die Guerilla-Strategie geht davon aus, dass grosse Teile der Schweiz bereits besetzt sind. Als Alternative zu einer Armee, die zur gemeinsamen Verteidigung ab Landesgrenze fähig ist, taugt sie nicht.

Mehr dazu:

„Für eine ernsthafte Diskussion des Verteidigungsfalls“ (Link)

„Nachrüstung der Schweizer Armee: Anforderungen an die Mehrheitsbildung“ (Link)

„Erfahrung des Ukrainekriegs – für Militärpolitik des Kleinstaats wichtig“ (Link)

„Verteidigung der Neutralität – Verteidigung des Staatsgebiets“ (Link)

„Verteidigungsvorbereitung mit dem Ausland – von General Guisan bis heute“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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