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Die Schweiz ist zu klein für die NZZ

Der deutsche Markt sei strategisch entscheidend für die NZZ. Dies vertritt Etienne Jornod, von 2013 bis 2023 Verwaltungsratspräsident der NZZ AG, in „Le Temps“ (3.5.24). Zur strategischen Bedeutung der politischen Positionierung der Berliner Redaktion und eines stetigen Deutschland-Bashings, das im Segment von den rechten Rändern von Union und FDP bis zu Maassens „Werteunion“ und Höckes AfD gut ankommt, schweigt er.

Jornod legt den Ursprung einer Entwicklung dar, die die Stellung der NZZ nicht nur in der deutschen, sondern auch in der schweizerischen Leserschaft und in der schweizerischen Politik verändert.

Auszug aus dem Artikel „La ‚NZZ‘, ma plus belle aventure“ von Etienne Jornod:

„Notre cible était un lectorat de qualité, en nombre suffisant. Pour cela, il fallait sortir de la Suisse, qui est trop petite. Nous avons appris grâce à un test en Autriche… ce qu’il ne fallait pas faire! Ces leçons tirées, nous avons rencontré un succès sans précédent en Allemagne avec plus de 40’000 abonnements vendus, un nombre qui continue de croître.“

Bemerkenswert ist auch, wie Jornod hämisch den „Schock“ beschreibt, den er auf der Redaktion ausgelöst habe, als er von ihr forderte, nicht für Nobelpreisträger und universitäre Leuchten zu schreiben, sondern für eine grosse Zahl von Leserinnen und Lesern:

„Le choc a été brutal. Je me suis retrouvé devant une salle de journalistes chauffés à blanc*: ‚Nous n’allons quand-même pas écrire pour les annonceurs comme la Migros!‘ Car pour certains, l’objectif était d’être lu par de Prix Nobel ou des sommités universitaires. Non, il fallait être lu par un maximum de lecteurs cibles définis. (…)

Pour mener à bien cet objectif, il a fallu recruter les meilleures journalistes et choisir le meilleur rédacteur en chef, soit Eric Gujer. (…)“

Wer waren wohl die „besten Journalisten“, die in der Ära Jornod rekrutiert wurden? Der erstarkende rechte Flügel von Redaktionsleitung und Redaktion: Leute wie Katharina Fontana und Lucien Scherrer von der „Weltwoche“, Benedict Neff, Stabschef des Springer-Vorstandsvorsitzenden Matthias Döpfner?

*   „chauffer à blanc“: Zu Weissglut treiben.

Mehr dazu:

„NZZ über Deutschland: Von Bashing zu Beschimpfung“ (Link)

„Die NZZ hat sich entschieden: Die AfD muss mitregieren können“ (Link)

„AfD – je mehr Wähleranteil, desto demokratischer?“ (Link)

„Wenn ein Schweizer Publizist ‚kurz den Eindruck‘ hatte, Deutschland werde ‚erwachsen'“ (Link)

„Wenn der Feuilletonchef der NZZ der Schweizer FDP Verdeutschung vorhält“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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