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Wenn ein Schweizer Publizist „kurz den Eindruck“ hatte, Deutschland werde „erwachsen“…

Zum Interview des NZZ-Feuilletonchefs Benedict Neff mit Henryk M. Broder in der NZZ vom 12.7.22.

„Das kann ein Deutscher nicht verstehen“, wird da getitelt. „DEM Deutschen“ eine Einheitshaltung, einen Einheitsmangel zu unterstellen, hat etwas mit Rassismus gemein – mit Rassismus, von dem im Interview ausgiebig die Rede ist.

Und welche lächerliche Arroganz, wenn sich ein Hauptexponent des NZZ-Rechtsaussenflügels und Feuilletonchef namens Benedikt Neff in einer Interviewfrage zum Pädagogen, zum Vater oder Grossvater der Völker aufschwingt, indem er sagt „als Bundeskanzler Olaf Scholz seine Zeitenwende-Rede“ gehalten habe, habe er, Neff, „kurz den Eindruck“ gehabt, „dass Deutschland erwachsen werden könnte“! ERWACHSEN!

Man muss es offenbar immer wieder fragen: Was für eine Beziehung zu Krieg und Frieden erwartet man eigentlich IN einem Volk – nicht VON einem Volk -, dessen Führung einen Angriffskrieg entfesselt, schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen und das eigene Volk in eine Schutt-und-Asche-Niederlage geführt hat?

Deutschland hat einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau eines friedlichen Nachkriegs-Europa geleistet. Deutsche Regierungen bemühten sich um eine Friedensordnung mit Russland. Aus heutiger Sicht handelten sie unrealistisch – und einige setzen sich nun aufs hohe Ross, weil sie dies schon immer gewusst hätten. Je nach Verlauf und allfälliger Eskalation des russischen Kriegs mag sich die Frage nach der richtigen Russlandpolitik nochmals weiterentwickeln.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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