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Deutschlands Erinnerungskultur – neu erlebt

Dieser PolitReflex kommt von einer Ferienreise via München ins wahlkämpfende Thüringen. Wir besuchten das NS-Dokumentationszentrum in München und das Haus der Weimarer Republik in Weimar.

Beide Besuche sind sehr empfehlenswert. Hier gleich die Links:

NS Dokumentationszentrum, München.

Haus der Weimarer Republik, Weimar.

„230 Nachfahren von NS-Gegnern stellen sich gegen die AfD“, lesen wir in einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen (FAZ) über einen Gedenkanlass zum achtzigsten Jahrestag von Graf Claus Stauffenbergs misslungenem Anschlag auf Adolf Hitler (Link). Man versteht die Warnung dieser Nachfahren besser, wenn man sich auf die Geschichte der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus einlässt.

Das Haus der Weimarer Republik besteht erst seit fünf Jahren. Sein Einführungsfilm macht deutlich, was den Aufstieg der Nazis von der heutigen Herausforderung der liberalen Demokratie durch Rechtsextremisten unterscheidet.

  • Heute gibt es „Abgehängte“ und Arme, aber dies ist nicht vergleichbar mit der Massenarmut, die den Aufstieg der Nazis begünstigt.
  • Die AfD hat keine frustrierten (wie sie meinten „im Felde unbesiegten“), hasserfüllten („Dolchstosslegende“), kriegserfahrenen Weltkriegs-Soldaten als Strassenkämpfer, als Potenzial für eine SA zur Verfügung.
  • Polemik gegen die EU kann niemals dieselbe Wirkung entfalten wie Polemik gegen den Versailler Vertrag und gegen die demokratischen Politiker, die danach Deutschland regierten.
  • Die heutige Unterstützung der Rechtsextremisten ist nicht vergleichbar mit derjenigen aus Adel, Offizierskaste, Schwerindustrie und Hochfinanz, die Hitler zur Macht verhalf.

Das heutige Deutschland wurde als „Wehrhafte Demokratie“ aufgebaut. Wenn diese nun einzugreifen beginnt, erfüllt sie eine Erwartung, die die internationale Gemeinschaft, insbesondere Europa, nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland setzte.

Die deutsche Demokratie wird sich behaupten.

Mehr dazu:

„Wenn Deutschland Massnahmen gegen den Wiederaufstieg Rechtsextremer trifft“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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