1939 und in den folgenden Kriegsjahren hatte für verantwortliche Schweizer Politiker und Publizisten erste Priorität, eine Besetzung von Teilen der Schweiz – ausserhalb des Réduits – durch Wehrmacht und SS zu verhindern. Die Neutralitätspolitik, für die sich Willy Bretscher damals aussprach, war Teil dieser politischen Strategie.
Die Weltwoche impliziert nun ohne Weiteres, der angeblich von ihr verehrte Willy Bretscher wäre weder gewillt noch fähig gewesen, in den gut 80 Jahren, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verstrichen sind, neue Lagebeurteilungen, neue aussen-, europa- und sicherheitspolitische Positionsbestimmungen vorzunehmen.
Ein Hinweis für seine Bereitschaft zu Neubeurteilungen: 1968 wurde die Schweizerische Gesellschaft für Aussenpolitik gegründet. Willy Bretscher war ihr erster Präsident. „Im Februar 1967 hatte der NZZ-Chefredaktor (und ab 1968 erster Präsident der SGA-ASPE), Nationalrat Willy Bretscher, ein Postulat eingereicht, in welchem der Bundesrat ersucht wurde, einen Bericht zu erstatten über das Verhältnis der Schweiz zu den Vereinten Nationen und besonders auch über die Aussichten und Möglichkeiten eines Beitritts unseres Landes unter Wahrung des Neutralitätsstatuts.“ (Link)
Willy Bretscher war ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und der faschistischen, hitlerfreundlichen Schweizer Frontenbewegung, wie auch ein Gegner des Kommunismus – gewiss kein politischer Ahne einer Zeitung und Bewegung, die sich an die Seite der geschichtsrevisionistischen, rechtsextremen, Putin-freundlichen AfD, an die Seite Putins und anderer rechtsautoritären Potentaten stellt.
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In der NZZ vom 13.12.2014, S. 24, verwahrte sich die Historikerin Dr. phil. Katharina Bretscher-Spindler (1942 – 2016), Willy Bretschers Witwe, bereits gegen einen Versuch, ihn zu vereinnahmen. Hier ihr Originaltext, der in der NZZ redaktionell geringfügig bearbeitet erschien:
„Es ist Roger Köppel nicht zu verdenken, dass er sich als Chefredaktor und Verleger der „Weltwoche“ Gedanken zur Zukunft
der NZZ macht. Aber was soll die Frage, „was wohl passieren würde, wenn ein neuer Chefredaktor einen Freisinn eher blocherscher Prägung predigte
– damit übrigens auf einem Kurs wie die NZZ-Legende Willy Bretscher?
Blocher auf dem gleichen Kurs wie Bretscher? Diesen Gedanken darf man nicht im Raum stehen lassen.
Erstens berühren sich die beiden äusseren Biographien überhaupt nicht. Willy Bretscher ist Ende 1967 im Alter von 70 Jahren als NZZ-Chefredaktor und als FDP-Nationalrat zurückgetreten. (…) Nur ein einziges politisches Anliegen verfolgte er nach seinem Rücktritt weiter: den Beitritt der Schweiz zur UNO.
Willy Bretscher war in seiner Nationalratszeit einer der wenigen bürgerlichen Aussenpolitiker. Einer seiner aussenpolitischen Erfolge war der Beitritt der
Schweiz zum Europarat. Ganz zu Ende seiner Zeit als Parlamentarier hat er noch die UNO-Beitrittsfrage angestossen. Noch vor seinem Rücktritt als NZZ-Chefredaktor hat er – unter anderem zusammen mit Traugott Wahlen (BGB) – die Schweizerischen Gesellschaft für Aussenpolitik gegründet, die sich neben anderen Themen auch dieser Frage widmen sollte. Schon 1970 gab er deren Präsidium an den eben als Bundesrat zurückgetretenen Willy Spühler (SP) weiter. (…)“
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Die Weltwoche war einmal ein Blatt das sich gegen jeglichen Faschismus wehement und konsequent wehrte! Die legendäre Journalistin und Fotografin Annemarie Schwarzenbach gehörte zu den Bannerträgerinnen ! Was ist nur aus dem Blatt geworden? Billiger Populismus und berechnende Strategie gegen die Interessen der Schweiz