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Wem nützt und was bewirkt ein baldiger Ausbruch des Taiwan-Kriegs?

Kommentatoren gehen davon aus, dass die USA das Kriegsrisiko, das mit der Reise der Präsidentin des Repräsentantenhauses nach Taiwan verbunden war, unüberlegt eingegangen sind. Die nun eingetretene Lage wäre die Folge eines Politikversagens. Das muss nicht unbedingt so sein.

Die Weltöffentlichkeit weiss, dass Präsident Xi in Partei, Armee und Volk schon lange unablässig die Erwartung schürt, dass China Taiwan erobere. Offene Frage war, wann der Schlag erfolge. Hierüber wurden militärische und politische Überlegungen angestellt: Etwa, dass Chinas militärische Fähigkeit, diesen Schlag erfolgreich zu führen, noch fraglich sei, aber fortwährend steige, und dass China eine zunehmende Bindung und Schwächung des Westens durch den Ukraine-Krieg und dessen allfällige Eskalation zu einem Europa-Krieg abwarte.

Der Zusammenhang mit der kriegerischen Entwicklung in Europa lässt es aber auch als denkmöglich erscheinen, dass die USA einen baldigen Schlag Chinas gegen Taiwan einem Zuwarten vorziehen. Jetzt ist auch Russland in der Ukraine gebunden. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte Russland wieder besser zu einem wirksamen Eingriff in einen Taiwan-Krieg fähig sein als gerade jetzt.

Mit in Erwägung zu ziehen sind die Auswirkungen, die ein sofortiger Ausbruch des Taiwan-Kriegs auf die Weltwirtschaft und auf die Kongresswahlen in den USA hätten. Auf die Weltwirtschaft wären sie katastrophal. Wichtigste Lieferketten würden nicht, wie durch Corona, behindert, sondern für lange Zeit ganz abgebrochen.

Sollten Teile der US-Demokraten gehofft haben, ein sofortiger Ausbruch des Taiwan-Kriegs würde ihre Chancen erhöhen, in den kommenden Wahlen einen Machtwechsel im Kongress zu verhindern, könnten sie sich getäuscht haben. Krieg schützt nicht mehr vor Machtwechsel. Dies hat soeben Boris Johnson erfahren.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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