Sie befinden sich hier:

„Weltwoche“ und autoritäre Führung

Die Willfährigkeit der „Weltwoche“ gegenüber China steht in einem grösseren Zusammenhang. Die „Weltwoche“ hat mehrere Rehabilitierungsversuche unternommen: Von Hermann Göring bis neuestens zu Jair Bolsonaro. Das kann nicht nur Lust an Provokation sein. Offenbar will man Akzeptanz für eine Art von Führung fördern, die man für stark hält – und vielleicht auch für die Schweiz erstrebenswert: Für eine Schweiz, die sich gegen die EU und gegen die in ihr zusammengeschlossenen Demokratien erheben soll.

Beispiele:

Die Grundhaltung gegenüber diesen und anderen autoritären Führern legte Verleger und Chefredaktor Roger Köppel in einem Artikel unter dem Titel dar: „Was heisst rechtsextrem? Sinn und Unsinn eines Adjektivs“ (Link). Auszug:

„So viele Rechtsextreme gab es noch nie. Salvini ist rechtsextrem, Orbán ist es, Trump sowieso, Österreichs FPÖ, möglicherweise sogar Ex-Kanzler Sebastian Kurz, selbstverständlich die SVP oder wenigstens Teile davon, Le Pens Rassemblement national und, auf jeden Fall, keinen Zweifel, die Alternative für Deutschland (AfD), also jene Partei, die sich für die Einführung der direkten Demokratie in Deutschland einsetzt. (…) Orbán, Salvini, Trump, Kaczynski in Polen und selbst Marine Le Pen sind keine Rechtsextremen in diesem historisch belasteten Sinn. Sie wollen weder die Demokratie abschaffen, noch streben sie eine «homogene Volksgemeinschaft» an, höchstensfalls restriktivere Regelungen der Einwanderung. Auch in Deutschland ist die Panikmache verfehlt. (…)“

Den europapolitischen Sinn hinter diesen Rehabilitierungsversuchen lässt Köppels Einladung an Trumps Ex-Berater Steve Bannon erkennen, der vor den Europawahlen versuchte, die gegen die EU gerichteten Kräfte in mehreren europäischen Staaten zu stärken. (Link zum Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“).

Roger Köppel ist in der Leitung der SVP für Europapolitik zuständig. Christoph Blocher wandte sich vor Jahren dagegen, dass sich die SVP mit ausländischen Kräften einlasse. Man fragt sich, ob er seine Meinung geändert hat, ob er Köppel einfach gewähren lässt oder ob er die Kontrolle verloren hat.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Die Schweiz muss sich auf Jahre im EU-Drittland-Status einstellen

Weder Livia Leus Rückzug von der Verhandlungsfront noch die Ernennung ihrer Nachfolgerin oder ihres Nachfolgers werden verhindern, dass die Schweiz wohl noch mehrere Jahre im Drittland-Status bleiben wird. Für Kritik am Aussenminister gibt es Gründe, aber auch ein Aussenminister kann die Blockade kaum beeinflussen.

Weiterlesen »

Was tun, damit Rüstungsfinanzierung mehrheitsfähig wird?

Neue ETH-Studie „Sicherheit“: Grosse Mehrheiten erkennen, wie gefährlich die Lage wurde, und bejahen militärische Verteidigung im Angriffsfall. Aber erst 29 Prozent sind damit einverstanden, dass für die notwendige Nachrüstung der Armee mehr Geld ausgegeben wird. Wenn Rüstungsvorlagen vors Volk kommen, ist somit ihre Ablehnung wahrscheinlich.

Weiterlesen »