Optimistisch könnte man hoffen, dass in der AfD der Drang zu Regierungsmacht – und die wachsende Chance, sich ihr anzunähern – zu einer Mässigung führt. Es könnte ein starkes Argument für „Realos“ in der AfD sein: Wenn die Koalition auseinanderbricht, müssen wir präsentable Partner für Merz sein, wenn auch zunächst wohl noch ohne Ministerämter, sondern als fallweise Unterstützer einer Minderheitsregierung der Union. Wir müssen Merz ermöglichen, ohne einen für ihn katastrophalen Gesichtsverlust die „Brandmauer“ niederzureissen.
Der masslos polemische Auftritt Alice Weidels in der Generaldebatte des Bundestags am 9. Juli 2025 legt aber nahe, dass starke Kräfte in der AfD eine mindestens ebenso attraktive Alternativstrategie verfolgen: Auf Unregierbarkeit Deutschlands, auf Neuwahlen und auf Wahlsieg zu setzen.
So bleibt zu hoffen, dass sich in Union und SPD unter dem Eindruck solcher Perspektiven doch noch die Kräfte durchsetzen, die die Koalition weiterführen und ihr eine Regierungspolitik ermöglichen wollen.