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Verachtung für unsere Nachbarländer?

An NZZ-Häme über Deutschland mussten wir uns längst gewöhnen. Und nun folgt ebenso krasse Frankreich-Verachtung, vorgetragen durch den Ressortchef International, Benedict Neff, persönlich: „Verlotterte Republik“, titelt er in der Ausgabe vom 9.10.25.

Ja, die Entwicklung in unseren Nachbarländern bereitet Sorgen. Wem nicht. Aber noch immer erbringen diese Länder Leistungen, die auch der Schweiz nützen. Ökonomische – sie nehmen Schweizer Produkte und Dienstleistungen ab – und militärische (siehe heute den auch hier verlinkten Artikel des Chefökonomen der NZZ, Peter A. Fischer, der auf das Trittbrettfahren der Schweiz und Österreichs eingeht).

Obwohl auch in der Schweiz die Überzeugung bröckelt, bei uns stehe alles zum Besten, und auch die Schweiz vermehrt Schwachstellen zeigt – von der Altersvorsorge bis zur mangelnden Bereitschaft der Armee -, und die Polarisierung Lösungen erschwert, nehmen wir in den Qualitätsmedien unserer Nachbarländer bisher kaum Häme wahr.

Wir würden auf solche wohl heftig reagieren…

*

Und noch dies:

Frankfurter Allgemeine, 9.10.25:
„Die AfD-Bundestagsfraktion fordert in zwei Anträgen, dass die Bundesregierung intensiver mit der amerikanischen Regierung unter Präsident Donald Trump zusammenarbeiten solle. Ein Antrag bezieht sich auf Außen- und Sicherheitspolitik, einer auf Identitätspolitik. (…)

Der zweite Antrag beschreibt das Ziel der AfD-Fraktion, linksliberale Weltanschauung nach dem Vorbild Trumps zu bekämpfen. Es ist von „unserem westlichen Kulturkreis“ die Rede, in welchem den USA eine zentrale Rolle in diesem Kampf zukomme. Trump wird als Verbündeter beschrieben.

„Präsident Trump arbeitet an einer Renaissance des Westens“, äußerte die AfD-Politikerin Bea­trix von Storch gegenüber der F.A.Z. „Damit haben auch wir als AfD einen sehr starken Partner gegen die totalitäre ­Woke-Ideologie, gegen die Gender-, Abtreibungs- und LGBTQ-Lobby, für die traditionelle Familie und den Lebensschutz.“ Von Storch gilt als ultrakonservativ; zuletzt wurde sie von Fraktionskollegen aber auch dafür gelobt, strategische Defizite der Fraktionsführung durch eigene Initiativen zu kompensieren. Die Politikerin war im September auch ins Weiße Haus gereist, um Gespräche mit Regierungsvertretern zu führen.

Der Antrag stellt eine Reihe von Forderungen in Bezug auf Familien- und Minderheitenpolitik, die sich an Entscheidungen Trumps orientieren. So sollen auf deutschen Auslandsvertretungen zu keinem Zeitpunkt Regenbogenflaggen gehisst werden dürfen. Die deutsche Regierung solle auf internationaler Ebene gegen „vermeintliche LGBTIQ-Rechte“, und ein „vermeintliches“ Recht auf reproduktive Selbstbestimmung eintreten. (…)“

Wird NZZ-Berlin auch dies verharmlosen? Auf ihrer Generallinie, Regierungsmacht für die AfD herbei schreiben zu helfen?

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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