Dmitri Trenin heisst der Gastautor, dem Roger Köppel die Seiten 20 bis 23 der „Weltwoche“ vom 24. Juli 2025 zur Verfügung stellt – dem Vertreter eines Regimes, das niemals Gegenrecht des Meinungsaustausches halten würde. Eines Regimes, das keinen kritischen Journalismus, keine offene Diskussion der Regierungspolitik zulässt. Einem Autor somit, der in seinem Land – Putins Land – gegen jede öffentliche Infragestellung dessen, was er da schreibt, immun ist.
Trenin wird uns vorgestellt als Direktor des Instituts für militärische Weltwirtschaft und Strategie an der Higher School of Economics Research University in Moskau. Sein Artikel sei zuerst im russischen Magazin „Profil“ erschienen.
Auszug aus Trenins Artikel:
„Unser Ziel ist es, den Feind in Angst und Schrecken zu versetzen, ihm seine Arroganz zu nehmen, ihn zum Nachdenken zu bringen und zu stoppen. (…) Ist ein Zusammenstoss unvermeidlich, müssen wir zuerst zuschlagen, präventiv. Zunächst mit konventionellen Mitteln. Wenn nötig, nach sorgfältiger Abwägung, mit besonderen, das heisst nuklearen Mitteln. Die nukleare Abschreckung kann nicht nur passiv, sondern auch aktiv sein, einschliesslich des begrenzten Einsatzes von Kernwaffen. Die Erfahrung des Krieges in der Ukraine zeigt, dass die Entscheidungszentren keine Immunität geniessen sollten. (…)“
Mit Angriffen Russlands auf Nato-Länder wird längst gerechnet, und die Abwehrvorbereitungen sind im Gang.
Vielleicht etwas realistischer als das Wagnis eines Atomwaffeneinsatzes – dem nach verbreiteter Auffassung zumindest bisher auch der Wille des starken Verbündeten China entgegenstünde – wirkt das Propagandaziel, das der Autor offenlegt:
„Wir müssen die Einheitsfront unserer Gegner von innen heraus untergraben, mit den Widersprüchen der Interessen und Ambitionen verschiedener Staaten, Kräfte und Personen spielen. Neben der führenden Zelle (Grossbritannien, Frankreich, Deutschland) und einer Gruppe von Aktivisten-Provokateuren (Finnland, Polen, den baltischen Staaten) gibt es Dissidenten (Ungarn, die Slowakei – solange die derzeitigen Regierungen dort an der Macht sind), deren Zahl noch zunehmen kann (zum Beispiel auf die Grösse des ehemaligen Österreich-Ungarn, sowie eine recht grosse passive Gruppe aus den Ländern Südeuropas (Italien, Spanien, Griechenland, Zypern). Generell ist das Feld für aktive Informations- und politische Arbeit gross. (…)“
Doch solche Botschaften können in europäischen Völkern, in denen freie Analyse, freie Beratung möglich sind und stattfinden, das Gegenteil dessen bewirken, was sie bezwecken: Dass sie eine Stärkung des Widerstandswillens und der europäischen Solidarität zur Folge haben.
Ein Kommentar
Es würde helfen, wenn sie Zitate kursiv schreiben würden.