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Trump und Putin haben sich wohl beide getäuscht

Trump musste erkennen, dass er sich in Putin täuschte. Putin seinerseits hat offenbar aus Trumps Verhalten abgeleitet, dieser lasse die Eroberung der Ukraine durch Russland zu. Nun reizt Trump mit einem Kurswechsel verbaler Härte den russischen Nationalstolz – und sogleich droht Medwedew den USA mit Krieg.

Trumps Irrtum in seiner Beurteilung Putins stellt dem Urteilsvermögen des US-Präsidenten ein besorgniserregendes Zeugnis aus. Seit 1999 ist Putin an der Macht – und zeigte er, wie er diese ausübt: Anschauungsunterricht im Übermass, auch für Trump.

Putins Fehlbeurteilung Trumps basierte immerhin auf der Beobachtung von Trumps bisherigem Verhalten zum Ukraine-Krieg – insofern es überhaupt eine Fehlbeurteilung war.  Trump muss erst noch zeigen, was er jetzt für die Ukraine noch tun kann und will.

Trump hätte ein Vorbild in der US-amerikanischen Geschichte: Theodore Roosevelt, 1901 bis 1909 Präsident der Vereinigten Staaten. Von ihm ist die Maxime übermittelt: „Speak softly and carry a big stick; you will go far.“

Trump verhält sich gegenteilig: Lautsprechend verkündete er, den Ukraine-Krieg in kürzester Zeit zu beenden. Lautsprechend warf er dem ukrainischen Präsidenten vor, durch seinen Widerstand den dritten Weltkrieg zu riskieren. Und er erweckte den Anschein, die Unterstützung der Ukraine einzustellen.

Was konnte, musste Putin daraus ableiten? Einen „Stick“ zeigte ihm Trump bisher nie – schon gar keinen „big“. Und jetzt, da Trump klagt, von Putin enttäuscht zu sein, gibt er wieder grosse Worte von sich – einfach andere. Und er verkürzt Putin die Frist bis zur Verhängung von Zöllen. Man glaubt von Trump zu wissen, dass er starke Männer wie Putin und Xi als seinesgleichen bewundert. Erwartet er nun vom starken Mann in Moskau tatsächlich, dass dieser gehorcht?

Und nun also Grosssprecherei aus Moskau: „Russlands früherer Staatschef Dmitri Medwedew“ (und stellvertretender Leiter des Sicherheitsrates der Russischen Föderation) „hat die Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump in scharfen Worten zurückgewiesen. Wenn Trump mit der Verkürzung von Fristen drohe, um Russland zum Einlenken im Konflikt gegen die Ukraine zu bewegen, müsse er bedenken, dass jedes Ultimatum ein Schritt auf dem Weg zum Krieg sei, schrieb Medwedew auf der Plattform X. „Nicht zwischen Russland und der Ukraine, sondern mit seinem eigenen Land“, drohte Medwedew. Trump dürfe nicht den Weg seines Vorgängers gehen.“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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