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Trump – „nötig“ oder „gefährlich“?

„Ein gefährlicher Präsident“ steht als Titel über einem Kommentar der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ, 3.2.25)“ zum Handelskrieg, den Trump auslöst. Für den Leitartikler der „NZZ“, ein Mitglied der Redaktionsleitung, ist Trump „nötig“ (1.2.25). Hier die Sorge über die Gefährdung der globalen Wirtschaftsbeziehungen und „imperialistische Gelüste“, dort die Begeisterung über den Willen zur Zerschlagung von „Woke“.

Der Vergleich der beiden bürgerlich-liberalen Zeitungen „NZZ“ und „FAZ“ wird immer interessanter.

Auszug aus dem Kommentar von Winand von Petersdorff, Wirtschaftskorrespondent der „FAZ“ in Washington, unter dem Titel „Ein gefährlicher Präsident“:

„Präsident Donald Trump entfesselt einen Handelskrieg mit Kanada und Mexiko. Die Länder, die mit den Vereinigten Staaten in einem unter Trump neu ausgehandelten Freihandelspakt verbunden sind, bekamen keine Chance, die Zölle in Höhe von 25 Prozent auf nahezu alle Importe abzuwenden. Trump gibt damit einen Vorgeschmack darauf, was dem Rest der Welt droht, egal ob Freund oder Feind. Es kann alle treffen. Diese Zölle waren nur eine erste Salve. (…)

Trumps feindseliger Akt stößt Kanada voraussichtlich in eine Rezession. Die USA tun das einem Land an, das als NATO-Partner nach 9/11 an ihrer Seite in Afghanistan focht, große Waldfeuer löschen half und auf Ersuchen der US-Justiz die Finanzchefin des chinesischen Huawei-Konzerns festsetzte, weil sie US-Sanktionsregeln gebrochen habe. Kanada zahlt für die Loyalität einen hohen Preis.

(…) Dass sich hinter seinen als Witzchen getarnten Äußerungen, Kanada als 51. Bundesstaat einzuverleiben, imperialistische Gelüste verbergen, kann man nicht länger ausschließen.

Verstörend ist überdies, dass Trump auf Verträge pfeift, selbst wenn sie unter seiner Ägide ausgehandelt wurden, wie das nordamerikanische Freihandelsabkommen. Das ist so beunruhigend, weil wichtige Handelspartner wie Deutschland und seine Unternehmen mit dem Risiko leben müssen, dass etwaige Verhandlungslösungen mit den Vereinigten Staaten die Bytes nicht wert sind, die sie beanspruchen. Bemerkenswert ist, dass Einfuhren aus China nur mit zehn Prozent belastet werden, obwohl Trump doch eigentlich mit 60  Prozent gedroht hatte. China ist mit seinen unlauteren Handelspraktiken, Cyberattacken und Ausspähversuchen damit ungefähr genauso belastet wie der alte Freund und Bündnispartner Kanada. Das ist auch ein Zeichen für ein neues Zeitalter.

Die brutalen Zölle auf die Importe der Nachbarn sind feindselig, unmoralisch, dumm und rücksichtslos. Er wird die US-Amerikaner treffen, die teurer tanken, heizen und essen werden. Manches Auto werden sie sich nicht mehr leisten können. Denn Autos überqueren im nordamerikanischen Fertigungsprozess bis zu achtmal die Grenzen. Wenn Mexiko und Kanada nun zurückschlagen mit Zöllen, verteuert sich bei jedem Grenzübertritt das Fahrzeug. Kanada und Mexiko drohen auf diese Weise Wirtschaftskrisen, die unter anderem zur Folge haben dürften, dass sich die Migration nach den USA vergrößern wird. Das ist das Gegenteil von dem, was Trump erreichen will. Dieser Präsident agiert wie ein Staatenlenker, der glaubt, in dieser gefährlichen Welt ohne Freunde auszukommen. Das erscheint ungewöhnlich ignorant.“

*

Für Benedict Neff von der NZZ „scheint Trump gerade nötig zu sein“ („Trumps Konterrevolution“, 1.2.25). Neff, der das NZZ-Feuilleton zur Zeitung in der Zeitung machte, wird Auslandchef. Wird die NZZ in ein paar Jahren noch stolz sein auf die Verharmlosung Trumps und der AfD?

Kritik an Positionsbezügen einer Zeitung, die sich stets zur Meinungspresse zählte, ist natürlich kein Versuch, ihre Freiheit einzuschränken, wie gelegentlich erwidert wird. Es wäre aber erstaunlich, wenn sich kein Widerspruch erheben würde, wenn Redaktoren der NZZ – die unter Willy Bretscher führend im Widerstand gegen Nazis und „Fronten“ war – AfD und Trumpismus verharmlosen und der künftige Leiter des Ressorts International Trump sogar als „nötig“ bezeichnet.

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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