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Streit mit Polen um Rechtsstaatlichkeit: Deutschland sollte nicht an der Front stehen müssen.

Die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland sind durch die Untaten der Nazis so belastet, dass es den autoritären Kräften in Polen innenpolitisch viel zu leicht fällt, deutsche Vorhaltungen polemisch zurückzuweisen. Bei allem Respekt, bei aller Dankbarkeit für die Leistung Deutschlands, einen stabilen demokratischen Rechtsstaat aufgebaut zu haben – die EU ist gross genug, um andere an die vorderste Front des Rechtsstaatsstreits zu stellen: Nebst der Kommission vor allem Staaten, die selbst Opfer der Nazis waren.

Die polnische Regierung und die Regierungspartei haben bereits einen Gegenangriff gegen Deutschland im Gang: Sie fordern Reparationszahlungen für die Schäden, die die Nazis Polen zugefügt haben. Die deutsche Regierung stellt sich auf den Standpunkt, dies sei völkerrechtlich einwandfrei geregelt worden. Sie könnte aber gut daran tun, Hand zu bieten für eine Überprüfung dieses Rechtsstandpunkts durch eine unabhängige internationale Völkerrechtskommission.

NZZ-Korrespondent Ivo Mijnssen gibt in einem Bericht über den Besuch der neuen deutschen Aussenministerin Annalena Baerbock einen Überblick über die Konflikte zwischen Polen und Deutschland (13.12.21, Link). Sie werden die autoritäre polnische Regierungspartei wohl stärken. Für die Rechtsstaatlichkeit ist dadurch nichts gewonnen.

Es ist richtig, ja nötig, dass die EU von Polen die Einhaltung gemeinschaftlicher Rechtsstaatsgrundsätze verlangt. Sie darf dies nicht dem politischen und strategischen Anliegen unterordnen, dass  Polen Mitglied der Union bleibt. Polen wird sich neu entscheiden müssen, ob das Land einer Union angehören will, die ihre Grundsätze hochhält und sich weiterentwickelt.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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