Sie befinden sich hier:

Schweiz-EU: Kommen jetzt die „Pläne B“?

Was Boris Johnson für den Brexit recht ist, ist den SVP-Bundesräten gegen das Rahmenabkommen billig: Das Parlament soll sich raushalten.

Obwohl sich die Schweiz mit der Aufnahme der Kraftprobe mit der EU auf ein grosses Risiko einlässt, halten die beiden Blocheristen eine entscheidrelevante parlamentarische Beratung kommentarlos für unnötig.

Noch kämpfen Teile von Politik und Wirtschaft um einen raschen Abschluss eines Rahmenabkommens mit der EU.

zum Beispiel der Industrieverband Swissmem. Aber die SVP-Bundesräte, Bundespräsident Ueli Maurer und Wirtschafts-, Forschungs- und Bildungsminister Guy Parmelin, erklären den Kampf für entschieden.

So verkündet Maurer an der jährlichen Botschafterkonferenz, das institutionelle Rahmenabkommen mit der EU sei gescheitert. Der Vertrag werde ohnehin nicht unterzeichnet, sagt er sinngemäss, es müsse nach «Alternativen» gesucht werden. (Link zum Bericht im „SonntagsBlick“.)

Parmelin sagt in einem Interview mit der „SonntagsZeitung“, mit der EU könne man „erst im nächsten Jahr wieder ernsthaft über den Rahmenvertrag diskutieren“.

Zu den damit verbundenen Risiken für Forschung und Handel äusserte er die Hoffnung, dass sich bei der EU „die Vernunft durchsetzen“ werde. „Wenn nicht, gibt es Überlegungen, wie wir reagieren könnten. Das gilt auch, wenn die EU den Vertrag über technische Handelshemmnisse nicht mehr aufdatieren will. Wir sind daran einen Plan B zu erarbeiten. Es ist aber zu früh, um konkret darüber zu reden. Das Beste wäre aber natürlich, wir würden eine Einigung über den Rahmenvertrag finden.“ („SonntagsZeitung“ 1.9.19, S. 17) – Allerdings…

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Darf man taktisch abstimmen? Manchmal sollte man sogar.

Mit der Abgabe unserer Stimme setzen wir selten eine präzise, direkt anwendbare Rechtsnorm in Kraft. Aber wir steuern die nächste Phase des politischen und praktischen Umgangs mit dem Problem. Überlegen wir uns deshalb, was ein Ja und ein Nein politisch bewirkt. Ein Beispiel: Die Konzernverantwortungsinitiative.

Weiterlesen »

Rahmenabkommen: Respektierung des Parlaments wäre auch für den Bundesrat nützlich.

Verkannte der Bundesrat die Bedeutung des Verhandlungsabbruchs als europapolitische Weichenstellung? Auch Bundespräsident Parmelin spricht in einem Interview in der „NZZ am Sonntag“ (30.5.21) von „Nadelstichen“. Das macht den Eindruck blosser Taktik und Schikane. Aber es geht um mehr: Die Schweiz muss damit rechnen, von der EU zum Drittland herabgestuft zu werden, mit stetigem Bedeutungsverlust der bilateralen Verträge: der einzelnen Abkommen und des Bilateralismus als Beziehungssystem. Eine nachträgliche Respektierung der Bundesversammlung könnte dies klären – und vielleicht noch beeinfussen.

Weiterlesen »