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Putin hat der demokratischen Linken Europas nichts zu bieten

Im Kalten Krieg des 20. Jahrhunderts erzielen in Westeuropa kommunistische Parteien beachtliche Wahlerfolge. Für einen Teil der Werktätigen war das sowjetische Wirtschafts- und Staatssystem eine bessere Alternative zum „Kapitalismus“. Putin hingegen hat ihnen nichts zu bieten. Deshalb wird er fast nur von Rechtsextremen unterstützt, und den Widerstandswillen des Westens muss er mit atomarer Erpressung zu brechen versuchen.

Gegen die  militärische Unterstützung der Ukraine durch die USA wurde dieser Tage bei Twitter polemisiert, die USA führten ihre Kriege immer „auswärts“. Unerwähnt blieb, dass die USA „auswärts“ Adolf Hitler und den japanischen Militarismus stürzten.

Hard-Core-Rechtsextremisten werden diese Rechnung mit den USA immer offen haben: Ihr „Führer“ kam zu Fall, nachdem die USA nach langem Bemühen Churchills in den Krieg eingriffen und die Westfront eröffnet wurde. Die Verdienste der Sowjettruppen – einschliesslich ukrainischer Verbände – um den Sieg über Wehrmacht und SS sind unbestritten, aber mit ins Bild gehört, dass Stalin die West-Allierten aus guten Gründen zur Eröffnung der Westfront drängte.

Nicht alle Rechtsextremen sehen sich in der Nachfolge von Nationalsozialismus und Faschismus. Ein Teil von ihnen ist Putin aus weltanschaulichen Gründen nahe: Weil er autoritär ist und gesellschaftskonservative Werte verkündet.

Die Auslandeinsätze der USA nach dem Zweiten Weltkrieg müssen unterschiedlich beurteilt werden. Die Irak-Krieg hat sich als verwerfliche Aktion herausgestellt, und der Einsatz in Afghanistan in der Durchführung als fatal. Korea- und Vietnamkrieg bedürfen einer differenzierteren Beurteilung, die auch die politischen und strategischen Ziele nicht ausser Acht lassen kann, die die Sowjetunion und China verfolgten.

Die Stationierung US-amerikanischer Truppen und Waffen in Europa ist aber leider absolut notwendig, solange das demokratische Europa nicht in der Lage ist, sich selbst gegen die Supermacht Russland zu verteidigen. Insbesondere gilt es zu verhindern, dass die Völker Ost-Mitteleuropas und des Baltikums, die nach 1989 frei wurden, unter die Herrschaft Putins oder eines Nachfolgers von ihm fallen. Grossbritannien und Frankreich verfügen zwar über kleine Atomstreitkräfte, aber noch ist das demokratische Europa weit davon entfernt, auf die Bereitschaft der USA zur gemeinsamen Verteidigung verzichten zu können.

Siehe auch:

„Zur Berechtigung des Widerstands der Ukraine und ihrer Unterstützung durch den Westen“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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