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„Nie wieder ist jetzt“: Vor 80 Jahren nahmen US-Truppen das KZ Buchenwald ein

Dieses Gedenken gibt Anlass zu Warnungen vor dem Wiederaufstieg Rechtsextremer, insbesondere der AfD. Auch Nachfahren des Widerstands gegen Hitler melden sich wieder zu Wort: „Nie wieder ist jetzt.“

Auf der Homepage der Gedenkstätte Buchenwald lesen wir:

„Seit den Morgenstunden des 11. April 1945 stießen Panzerdivisionen der III. US-Armee aus der Gegend um Gotha in Richtung Osten vor. Gegen 10 Uhr erging in Buchenwald der Befehl an alle SS-Männer, das Lager zu verlassen. Das Internationale Lagerkomitee mobilisierte seine Widerstandgruppen und begann, versteckte Waffen zu verteilen. Gegen Mittag flohen die SS-Männer der Kommandantur. Die Besatzungen der Wachtürme setzten sich ab. Gegen 14.30 Uhr überrollten Panzer der 4. Panzerdivision den SS-Bereich ohne zu stoppen. Die SS floh. Bewaffnete Häftlinge besetzten das Lagertor und überwältigten die letzten verbliebenen SS-Männer. Gegen 16 Uhr hatten sie die Kontrolle über das Lager übernommen. Buchenwald war befreit, von außen und innen. Rund eine Stunde später betraten Aufklärer der 4. und 6. Panzerdivision als erste amerikanische Soldaten das Lager. 21.000 Häftlinge erlebten an diesem Tag ihre Befreiung, unter ihnen über 900 Kinder und Jugendliche.

Seit der Lagergründung im Juli 1937 war mehr als eine Viertelmillion Menschen aus über 50 Ländern in das Konzentrationslager Buchenwald oder eines seiner Außenlager verschleppt worden: 249.570 Männer und Jungen sowie 28.230 Frauen und Mädchen im Alter von zwei bis 86 Jahren. Rund 56.000 von ihnen überlebten die Deportation in das Konzentrationslager Buchenwald nicht.“

Aus dem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen“ vom 6.4.25 über den Gedenkanlass (Link):

„In Buchenwald waren politische Gegner der Nazis eingesperrt, Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas und solche, die als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ galten. In Buchenwald wurden auch rund 7000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet, die meisten durch eine Genickschussanlage. Die Antwort auf diese Verbrechen sei Artikel eins des Grundgesetzes gewesen, sagt (Gedenkstättenleiter Jens-Christian) Wagner. Die Würde des Menschen sei unantastbar, „nicht nur des Deutschen“. Manche hätten Letzteres heute leider vergessen „und wenn wir an die Migrationsdebatte denken, nicht nur am rechten Rand“, sagt Wagner und ruft dazu auf, sich dem Hass gegen Juden und Muslime oder der Hetze gegen Sinti und Roma entgegenzustellen.

Auch Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt spricht davon, dass man heute in Weimar die Verfassung verteidige als „eine zerbrechliche Errungenschaft“ in einer Zeit, in der sich Antisemitismus, völkische Ideologie und autoritäres Denken wieder breitmachten „auf der Straße, in den Parlamenten, in den sozialen Medien“. Voigt würdigt besonders Naftali Fürst, den 92 Jahre alten Holocaust-Überlebenden und Präsidenten des Internationalen Komitees Buchenwald. Für sein Engagement hat ihm ­Voigt am Vortag den thüringischen Verdienstorden verliehen.

Konkret auf die gegenwärtige Situation in Deutschland bezieht sich Altbundespräsident Christian Wulff. Vor 13 Jahren habe er als Bundespräsident in einer Rede zur Wannseekonferenz und der dort beschlossenen „Endlösung der Judenfrage“ gesagt, je mehr Zeit vergehe, „umso weniger können wir uns vorstellen, wie man das geplant hat“. Heute, so Wulff, könne er den Satz angesichts des Rechtsrucks im Land nicht mehr so wiederholen. Wulff erinnert an die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer, die angesichts ihrer Besuche in Schulen gesagt habe: „So hat es damals auch angefangen.“

Als Vertreterin der Stiftung 20. Juli 1944 (Datum des gescheiterten Attentats auf Hitler) schreibt Valerie Riedesel Freifrau zu Eisenbach, Enkelin des Widerstandskämpfers Cäsar von Hofacker (dessen Biografie sie schrieb) und Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, bei LinkedIn (Link zum Post):

„Ein sehr persönliches Gedenken in Dachau heute: Wenige Wochen vor der Befreiung des Konzentrationslagers durch die Amerikaner trafen hier vor 80 Jahren besondere Gefangene der SS ein. Es waren Sippenhäftlinge, Familienangehörige von Widerstandskämpfern, ein Faustpfand für den obersten SS-Mann Heinrich Himmler, der sich innerlich auf Verhandlungen mit den Alliierten vorbereitete. Sie hatten Monate der Haft in anderen KZs hinter sich und sollten von Dachau aus in die letzte NS-Bastion, die sogenannte Alpenfestung verschleppt werden.

An die 50 Kinder, Enkel und jüngere Geschwister der damaligen Gefangenen gehörten zu den Gästen der Feierstunde, drei von ihnen hatten selbst als Buben die Geiselhaft miterlebt. Sie machen Geschichte nahbar, bilden eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart – eine Gegenwart, die wieder Anfeindungen unseres Rechtsstaats und Gleichgültigkeit gegenüber dem Geschehenen erlebt. Nie wieder ist jetzt.“

Siehe auch:

„Nachfahren von WiderstandskämpferInnen gegen die Nazis warnen vor Rechtsextremisten, insbesondere vor der AfD“ (Link)

„Der Direktor der KZ-Gedenkstätte Auschwitz zur Gefahr des heutigen Rechtsextremismus“ (Link)

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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