Sie befinden sich hier:

Neue Legislaturperiode: Noch mehr Polarisierung und Blockaden

Fast alle geben Lippenbekenntnisse zur „Konkordanz“ ab – was sie auch immer darunter verstehen. Aber was sich abzeichnet, ist noch mehr Polarisierung, sind noch mehr Blockaden.

Zwischen SP und Grünen wird ein härterer Wettstreit um das linkere Profil erwartet. Dabei werden die Grünen wohl den Vorteil haben, dass ihr Profil nicht durch eine Bundesrätin beeinträchtigt wird, die für eine Regierungs- und Departementspolitik verantwortlich gemacht wird. Das kann die SP dazu veranlassen, bei ihrer Doppelrolle als Regierungs- und Oppositionspartei den Regierungsteil zurückzudrängen und mehr Opposition zu machen.

SVP-Präsident Albert Rösti kündigte im „SonntagsBlick“ vom 1. Dezember 2019 seinerseits Initiativen und Referenden an (Link zum Interview). Die SVP wird sich auf die Massnahmen einschiessen, die Bundesrat und Parlament zum Klimaschutz beschliessen, und daraus ein neues Alleinstellungsmerkmal neben der Europapolitik machen.

Es wurde auch die Erwartung geäussert, die neue Zusammensetzung der Räte könnte die CVP dazu veranlassen, mit FDP und SVP „bürgerliche“ Lösungen anzustreben – was immer das heisst, und sofern die SVP überhaupt auf Kompromisse mit FDP und CVP eingeht. „Bürgerliche“ Kompromisse sind sodann durch rotgrüne Referenden bedroht.

In der Europapolitik ist jetzt noch klarer als zuvor, dass das Parlament den Bundesrat zwingen wird, sich  über das wiederholte Nein der EU zu Nachverhandlungen hinwegzusetzen. Niemand kann sagen, was passieren würde, wenn auch SP und Grüne nicht mehr verkennen könnten, dass die EU Nachverhandlungen verweigert. Den Hebel haben die Gewerkschaften in der Hand: Wenn zwischen ihnen und den Wirtschaftsverbänden keine Kompromisslösung erzielt wird, werden SP und Grüne die Schweiz gemeinsam mit der SVP in eine mehrjährige Kraftprobe mit der EU führen.

Wahrscheinlich sind auch diesmal wieder Parlamentarierinnen und Parlamentarier gewählt worden, die versucht sind, lösungsorientiert und kompromissbereit zu arbeiten. Sie werden es in ihren Fraktionen schwer haben. Möge ihnen dennoch der eine oder andere Erfolg vergönnt sein.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Fragen an diejenigen, die eine Stärkung der Armee ablehnen

„Blick“ präsentiert am 10. Februar 2026 Ergebnisse einer Meinungsumfrage. Auszug: „Grundsätzlich hält es eine Mehrheit der Befragten (58 Prozent) nicht für nötig, der Armee mehr Geld zu geben, egal ob über die Mehrwertsteuer oder eine andere Finanzierungsquelle.“* In einer künftigen Meinungsumfrage sollte nach der Beurteilung der Bedrohungslage, der Bedrohungsszenarien und nach der Russlandpolitik gefragt werden.

Weiterlesen »

Pourquoi la culture s’oppose à l’initiative SSR – « 200 francs, ça suffit ! ».

Les mesures d’économie actuelles touchent déjà la culture. Les conséquences d’une acceptation de l’initiative seraient encore plus graves. – Cette prise de position, du point de vue de ch-intercultur, association pour la critique culturelle, a été diffusée le 6 février en allemand dans la newsletter hebdomadaire « cültür » et est accessible sur le site Internet de « cültür ».

Weiterlesen »

Madige „Konkordanz“

Mit ihrem Madenplakat erklärt die SVP: Ihr alle seid uns egal, wir brauchen keine Partner, wir brauchen niemandem menschlichen Respekt zu zollen.

Weiterlesen »