Sie befinden sich hier:

Geben wir Generationen-Büffeln keine Chance

Der Anteil älterer und alter Menschen an der Bevölkerung wächst, und damit auch ihr Einfluss in Abstimmungen und Wahlen. Das erfordert keine Konfrontationsstrategie, sondern Pflege und Entwicklung der Beziehungen zwischen den Generationen.

Ein neues Indiz einer längst erkannten Entwicklung: „Insgesamt bleibt der Anteil der jungen Menschen zwischen 0 und 19 Jahren in der Schweiz höher als jener der älteren ab 65 Jahren. In einigen Kantonen hat sich diese Situation jedoch bereits umgekehrt, namentlich in Basel-Stadt (Trendwende vor 1981), Tessin (2006), Schaffhausen (2009), Basel-Landschaft (2011), Bern (2012), Graubünden (2013), Nidwalden (2015), Glarus (2016), Solothurn (2017) und Uri (2018).“ (Bundesamt für Statistik, Link).

Führt dies zu vermehrten politischen Entscheiden gegen die Jungen? Und wenn man dies befürchtet, was ist zu tun?

Die Mobilisierung der Jungen gegen die Älteren und Alten bringt nichts. Sie würde nur dazu führen, dass ein Teil der älteren Bevölkerung in eine Abwehrhaltung geht – und da ihr Anteil wächst, ist dies strategisch offensichtlich falsch. Und Vorschläge, das Stimmrecht im Alter zu beschränken oder gar aufzuheben, oder Eltern Kinderstimmrechte zu geben, sind zum vornherein chancenlos. Die Senkung des Stimm- und Wahlrechts auf 16 Jahre verdient diskutiert zu werden, aber nicht aus demografischen Gründen, sondern um die Jugend früher politisch zu motivieren und ihr Mitverantwortung zu geben.

Zu fördern sind vielmehr die Generationenbeziehungen. Die Voraussetzungen hierfür sind gut. Viele Generationenbeziehungen sind zum Vornherein Sympathiebeziehungen: Ältere Menschen wünschen den Jungen eine gute Zukunft, junge Menschen wünschen den älteren und alten Wohlergehen. Dazu kommt, dass viele Menschen ihre politische Haltung und ihre Einstellung zum Leben nicht grundsätzlich ändern: Wer schon immer zukunfsgerichtet und nachhaltig dachte, wer schon immer die Interessen der nachrückenden Generationen ernst nahm, ändert diese Haltung mit dem Älterwerden meist nicht.

Natürlich gibt es Generationen-Büffel, wie es auch Partei-Büffel und Partikularinteressen-Büffel aller Art gibt. Durch eine Pflege und Entwicklung der Generationenbeziehungen lassen sich Generationen-Büffel am besten in Schranken halten.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Neue Wohn- und Lebensformen im Alter werden aufgewertet – trotzdem ist den Heimen Sorge zu tragen.

Corona hat die Tendenz verstärkt, wenn immer möglich einen Heimeintritt zu vermeiden: Für betagte Angehörige und für sich selber. Gut ist, wenn dies zur Förderung neuer, gemeinschaftlicher Wohn- und Lebensformen führt. Aber auch künftig werden viele Menschen in Heimen leben, und dies oft relativ zufrieden. Viele leben dort besser, als wenn sie sich an ihre eigene Wohnung geklammert hätten, dort ungenügend gepflegt und betreut würden, und pflegende und betreuende Angehörige überfordert wären.

Weiterlesen »

Corona: Vertrauensbildung stärken – unabhängig von der Härte der kommenden Massnahmen

Die im internationalen Vergleich besonders rasante Ausbreitung des Corona-Virus in der Schweiz lässt sich meines Erachtens nur dadurch erklären, dass viel weniger Menschen von der Notwendigkeit präventiven Verhaltens überzeugt sind, als die öffentlichen Protesthandlungen vermuten lassen. Die demokratische und freiheitliche Qualität des Misstrauens zeigt eine krasse Kehrseite. Dazu kommt, dass sich viele Menschen für ihre Lebensweise und gegen Armutsrisiko wehren – laut durch Protest oder leise durch Verweigerung. Dass Schweizerinnen und Schweizer widerständiger sind als Angehörige anderer Nationen – das ist Teil eines verbreiteten Nationalstolzes.

Weiterlesen »

Zur Forderung, dass Krebskranke vor ungeimpften Covid-Kranken behandelt werden.

Der Druck auf Ungeimpfte wächst – nicht primär durch den Staat, sondern durch Mitmenschen, denen das Verhalten der Impfverweigerer Schaden zufügen kann. Ein neuer Höhepunkt ist die Forderung von Oncosuisse, der Dachorganisation der Organisationen, die sich für Krebskranke einsetzen, dass diese in den Spitälern vor ungeimpften Covid-Kranken zu behandeln seien.

Weiterlesen »