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Jetzt berichtet selbst Roger Köppel über die Journalisten-„Hölle“ in Putins Russland

Er tut es in einem Abschnitt eines sechsseitigen Heldenepos, erschienen in der Weltwoche vom 11.7.24. In dessen Titel zitiert Roger Köppel aus einem SMS, das ihm der Trumpist Tucker Carlson ins Flugzeug schickte. in dem er mit Orban von Moskau nach Berg Karabach unterwegs war: „Orban ist ein Held“.

Der Abschnitt steht in einem Teil, in dem Roger Köppel berichtet, wie er in einem Raum mit Journalisten wartet, während Putin und Orban konferieren:

„Im Pulk sind auch zwei Briten, der eine lebt seit vielen Jahren hier. Er mag Russland, liebt die russische Kultur. Die beiden sehen es kritischer. Nach dem Einmarsch habe Putin die Schrauben nochmals angezogen. Jeder hier im Raum wisse, es gebe rote Linien, man rede nicht darüber, aber sie seien Realität. ‚Überschreitest du sie nicht, hast du deine Ruhe. Tust du es trotzdem, landest du in der Hölle.‘ Er habe mehrere Fälle von Kollegen erlebt, die unter fadenscheinigem Vorwand ins Gefängnis mussten, manchmal jahrelang.“

War der Journalist, den Köppel so zitiert, wohl trotz drohender „Hölle“ mit der Veröffentlichung einverstanden? Ist Köppel bereit und in der Lage, sich zu vergewissern und sich wenn nötig dafür einzusetzen, dass seinem Gesprächspartner eine „Höllenfahrt“ erspart bleibt?

Es bleibt zu beobachten, ob die Unterdrückung des unabhängigen Journalismus in Russland nun zum wiederkehrenden Thema der „Weltwoche“ wird.

Jedenfalls lässt sich Köppel nicht davon abhalten, Putin in die Reihe der grossen Zaren zu stellen, ihm zugute zu halten, dass man Russland nicht anders als er regieren könne, und ihn gar mit dem römischen Kaiser Augustus zu vergleichen.

*

„Das Beste, was eine Regierung für ihre Glaubwürdigkeit tun kann, ist die Zulassung – mehr noch: der Schutz – eines unabhängigen Journalismus. Dabei geht es primär um die eigenen Landsleute, die journalistisch tätig sind, sekundär auch um die Korrespondentinnen und Korrespondenten ausländischer Medien. Was schliessen wir dann aus der Unterdrückung journalistischer Freiheit?

Würde Putin die journalistische Unabhängigkeit nicht unterdrücken, hätten russische Journalistinnen und Journalisten zum Beispiel Recherchen über die Vorwürfe unternommen, die russische Armee habe Kriegsverbrechen begangen, und diese publiziert. Von unabhängigem Journalismus ist zu erwarten, dass er auch entlastende Feststellungen aufnimmt und darüber berichtet.

Unabhängige russische Journalistinnen und Journalisten wären auch den kruden Atomdrohungen von Propagandisten (à la «als Erstes zerstören wir London») nachgegangen und hätten Fachleute von Physik, Medizin, Militärtechnologie Bevölkerungsschutz über die Auswirkungen eines atomaren Schlagabtauschs auf Russland selbst befragt. Dies führt auf eine weitere Frage: Hätten sie kompetente und unabhängige Fachleute gefunden? Nein. Entweder schweigen sie, sind im Gefängnis oder im Exil. (…)“

Aus: „Was halten Leute wie Roger Köppel von der Lage des russischen Journalismus?“ PolitReflex vom 10. Juli 2022 (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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