Sie befinden sich hier:

Generationenbeziehungen: Bei wachsenden Spannungen werden gute Beispiele wichtiger

Pro Senectute muss es wissen. Die Fach- und Dienstleistungsorganisation für das Alter stellt fest, dass Menschen im dritten und vierten Lebensalter vermehrt unter Druck kommen, und sieht sich zu Massnahmen veranlasst. – Ludwig Hasler, mediengewandter Philosophie-Senior, giesst in der „NZZ am Sonntag“ Öl ins Feuer: „Respekt für die Alten – wofür?“ Kommt aber dann zum Schluss, Erfahrung sei „so wichtig. (…) Wenn wir die Erfahrung der Alten vereinen könnten mit dem frischen Wissen und dem Draufgängertum der Jungen, ja dann wäre so etwas wie Rettung möglich, verzeihen Sie mir das bisschen Pathos. Voraussetzung dafür aber wäre, dass sich die Jungen

Immer mehr Senioren berichteten von Anschuldigungen, lesen wir in der NZZ am Sonntag vom 26.4.20: „Sie würden für die wirtschaftliche Misere verantwortlich gemacht –galten doch die Lockdown-Massnahmen des Bundes vor allem dem Schutz der vulnerablen älteren Bevölkerung.
Wer von den Senioren noch zum Spazieren oder in den Supermarkt geht, werde immer häufiger schräg angeschaut oder unwirsch angegangen, sagt (Alain) Huber (Direktor von Pro Senectute). Immer mehr Senioren fühlten sich zunehmend unwohler. «Die Solidarität der Jüngeren gegenüber den Senioren hat abgenommen», sagt Huber. Man beobachte daher die Entwicklung der Spannungen zwischen den Generationen genau.

Deshalb will Pro Senectute nun mit Massnahmen Gegensteuer geben. So werde man ein Stimmungsbarometer bei den über 50-Jährigen erstellen, sagt Huber. Ziel sei es, das gegenseitige Verständnis zwischen den Generationen zu erhalten und gemeinsam aus der Krise zu finden.“

Vielleicht war der Eindruck, den ich hatte, als ich am 10. April unter dem Titel „Eine Chance für gute und positive Beziehungen zwischen den Generationen“ schrieb, noch zu positiv (Link zum Artikel). Aber ich bleibe dabei, dass es einen starken, harten, ausbaufähigen Bestand guter Generationenbeziehungen gibt, individuell und in Gruppen. Pflegen wir sie, zeigen wir sie, bauen wir sie aus und stellen wir sie kreativ in den Dienst der Bewältigung der Coronakrise!< Link zum Interview mit Ludwig Hasler im NZZ am Sonntag Magazin vom 26.4.20.

*

Postscriptum: Ich habe Jahrgang 1952 und bis jetzt keine persönlichen Anfeindungen erlebt, auch nicht auf unseren fast täglichen Waldspaziergängen. Aber das kann ja noch kommen.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Erwerbsarbeit und Pflege der Eltern.

Die Pflege der Eltern gehört zu den Gründen, weshalb Menschen ihr Arbeitspensum reduzieren oder ganz aus der Erwerbsarbeit aussteigen – eine Realität, der sich Alzheimer Schweiz* intensiv annimmt. Zusammen mit ihren Kantonalsektionen berät, unterstützt und entlastet sie die pflegenden und betreuenden Angehörigen. – Die Rückkehr ins Erwerbsleben, in eine entwicklungsfähige berufliche Laufbahn, kann schwierig sein und sogar misslingen – was auch ein Armutsrisiko werden kann. Dies gehörte zu den Themen einer „Career-Relaunch-Konferenz“ an der Universität St. Gallen (HSG).

Weiterlesen »

Pflegende: Engste PartnerInnen der Schulmedizin – aber misstrauischer als viele Andere

Eigentlich würde man ein Vertrauensverhältnis erwarten zwischen Pflegenden einerseits, Schulmedizin und Naturwissenschaften anderseits. Aber der verbreitete Widerstand gegen das Impfen zeigt ein Misstrauen, das stärker zu sein scheint als ein anderen Teilen der Bevölkerung. Nur ein intensives, respektvolles Eingehen auf dieses Misstrauen könnte daran etwas ändern – wenn überhaupt.

Weiterlesen »