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Frieden scheitert an der Persönlichkeit – warum Staatschefs nicht verhandeln sollten

Diplomatie statt Ego – so funktionieren echte Friedensgespräche. PolitReflex-Gastautor Dr. Ruedi Jeker* stellt hierfür eine wissenschaftliche Methode vor und zeigt Beispiele aus dem Zwanzigsten Jahrhundert auf.

In einer Welt voller geopolitischer Spannungen – vom Ukrainekrieg bis zum Nahostkonflikt – scheitern Friedensverhandlungen oft, bevor sie überhaupt beginnen. Der Grund liegt nicht nur in den Interessen, sondern in den Persönlichkeiten der Akteure. Doch wie wird dies erkennbar?

Das Process Communication Model (PCM), eine wissenschaftlich abgestützte Methode lässt erkennen, wie Persönlichkeiten aus ihrer Persönlichkeitsstruktur heraus handeln und kommunizieren. Es unterscheidet sechs Grundtypen der Persönlichkeit, die in jedem Menschen in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden sind: **Logiker, Beharrer, Rebell, Empathiker, Reflektor und Macher**. Sie bestimmen, wie wir denken, fühlen, kommunizieren – und wie wir unter Stress reagieren.

Internationale Politik ist nicht nur Sache von Interessen, Machtverhältnissen und Rhetorik. Sie ist auch eine Bühne für die Persönlichkeit. Das Process Communication Model (PCM) hilft, politisches Verhalten besser zu verstehen – und zeigt, warum Gespräche und direkte Verhandlungen (z.B Trump: Friedensdeal in der Ukraine in 24 Stunden) zwischen Staatschefs oft nicht funktionieren.

Anhand der Persönlichkeitsprofile von Trump, Putin, Selenskyj und Xi Jinping analysieren wir psychologische Konfliktlinien, Kommunikationsblockaden und mögliche Auswege. Es zeigt: Trump, Putin, Selenskyj und Xi Jinping agieren aus psychologisch völlig unterschiedlichen Mustern. Diese Unverträglichkeiten verhindern einen echten Dialog. Die Lösung: Erfahrene Diplomaten müssen die Verhandlungen führen – die Chefs sollten sie am Ende nur noch unterzeichnen.

.  Donald Trump (USA) – Dominanter „Rebell“ und „Beharrer“: impulsiv, emotional, auf Loyalität fixiert. Trägt Konflikte öffentlich aus, verhandelt nicht, sondern setzt „Lösung“ (Deal).

.  Wladimir Putin (Russland) – „Logiker“ mit hohem Kontrollbedürfnis und Rückzugstendenz: berechnend, kalt, sicherheitsorientiert. Vertraut nur engen Kreisen, reagiert empfindlich auf Gesichtsverlust.

.  Wolodymyr Selenskyj (Ukraine) – Expressiver „Rebel/Emphatiker“: dramatisierend, empathisch, moralisch aufgeladen. Hoher Sendungsanspruch, neigt zur Emotionalisierung des Konflikts.

.  Xi Jinping (China) – Strukturierter „Beharrer/Reflektor“: ruhig, strategisch, distanziert. Verhandelt selten direkt, agiert langfristig. Legt Wert auf Gesichtswahrung und symbolische Stärke.

Was daraus folgt:
Diese vier Persönlichkeiten sprechen psychologisch gesehen nicht dieselbe Sprache. Jeder kommuniziert aus einem anderen inneren System – was beim direkten Aufeinandertreffen zu Blockade, Misstrauen oder Eskalation führt (Stress). Gespräche scheitern nicht an Inhalten, sondern an der Art, wie sie geführt werden.

Deshalb braucht es professionelle Diplomaten: psychologisch geschulte, strategisch denkende Unterhändler, die zwischen den Systemen vermitteln können – ohne öffentliche Bühne, ohne Gesichtsverlust. Sie können Lösungen vorbereiten, Kompromisse aushandeln, Vertrauen aufbauen.

Am Ende dürfen die Präsidenten auftreten, unterschreiben, Frieden erklären. Aber der Weg dorthin muss leise, professionell und konfliktpsychologisch klug gegangen werden – sonst bleibt der Frieden ein Schauspiel ohne Substanz.

Historische Beispiele erfolgreicher Diplomatie durch Unterhändler:

. Camp David 1978: Der Durchbruch zwischen Ägypten und Israel gelang nicht durch Präsidenten allein, sondern durch monatelange diplomatische Vorarbeit.
. Kuba-Krise 1962: Hinter den Kulissen handelten Emissäre beider Seiten einen Gesichts-wahrenden Rückzug aus – nicht Kennedy und Chruschtschow selbst.
.  Oslo-Abkommen 1993: Die wohl bedeutendste Annäherung im Nahostkonflikt wurde inoffiziell in Norwegen vorbereitet – fern der Medien und der Staatskanzleien.

Fazit:

Wer den Frieden wirklich will, muss zuerst die Kommunikation verstehen. PCM zeigt uns, warum Gipfelgespräche mit den falschen Persönlichkeiten scheitern. Diplomaten sind keine Statisten, sondern die Architekten des Friedens. Politiker sollten das akzeptieren – und sich am Schluss als Staatsmänner feiern lassen, nicht als Einzelkämpfer in eigener Sache. Ein anspruchsvoller Weg zum Frieden.

 

*  Ruedi Jeker war 1999 bis 2007 Regierungsrat des Kantons Zürich, als Vertreter der FDP gewählt. Bis 2003 hatte er das Amt des Volkswirtschaftsdirektor, danach dasjenige des Sicherheitsdirektors inne. Von 2004 bis 2005 war Jeker Regierungspräsident. Aufgewachsen im Kanton Solothurn schloss Jeker an der ETH Zürich ein Studium als Kulturingenieur ab, das er mit einer Doktorarbeit über die regionale Wirtschaftsförderung ergänzte. Im Militär liess sich Jeker zum Kampfjet- und Helikopterpiloten ausbilden. Die militärische Laufbahn schloss er als Oberst und Kommandant eines Fliegerregiments in der Schweizer Luftwaffe ab.

 

 

 

 

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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1 Kommentar

  1. Spannend, dass man wieder einmal eine psychologische Persönlichkeitstypologie (es gibt noch viele weitere) für die Krisenbewältigung bemüht! Und dies von einem unverdächtigen FDP Politiker – Militär und ETH-Ingenieur (kein „Humanist“ aus der geisteswissenschaftlichen Ecke). Ob sich da wohl etwas bewegt?

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