Die Mitwirkung im Sicherheitsrat erschwert die Aufgabe der Schweiz NICHT, unter diesen Umständen einen neutralitäts- und friedenspolitischen Kurs zu bestimmen und sich für die Geltung internationalen Rechts einzusetzen. Im Gegenteil. Die Mitgliedschaft im Sicherheitsrat erleichtert es der Schweiz, zu erkennen, welche Handlungsoptionen bestehen und welche andern Staaten dieselben Ziele verfolgen. Einflussnahme auf das Geschehen wird kooperativ besser möglich sein als isoliert.
Es ist verständlich, dass die Schwäche der schweizerischen Aussenpolitik, insbesondere Europapolitik, Zweifel schürt, ob die Schweiz den Aufgaben eines Mitglieds des Sicherheitsrats gewachsen wäre. Aber die Schweiz MUSS daran wachsen, wenn sie ihr Schicksal, das Schicksal Europas und der Weltgemeinschaft nicht tatenlos hinnehmen will. Auch sind die Mängel der schweizerischen Europapolitik nicht primär der schweizerischen Diplomatie geschuldet, und auch nicht primär dem Aussenminister oder dem Bundesrat, sondern das Ergebnis der Kräfteverhältnisse und der Funktionsweise unserer „Konkordanz“.
Die Herausforderung durch die Mitgliedschaft im Sicherheitsrat kann die schweizerische Aussen- und Neutralitätspolitik voranbringen.