Auszug aus dem Artikel von Fatina Keilani (Link):
«Elon Musk fragt ungläubig, ob die deutsche Öffentlichkeit wisse, dass ihr Steuergeld für illegale Migration ausgegeben werde. Das deutsche Aussenministerium antwortet innert zwei Stunden: «Ja. Und man nennt es Leben retten.» Das ist höchstens die halbe Wahrheit und führt zu heftigen Reaktionen. (…)
Der Widerspruch, dass man nicht gleichzeitig Schleuser verdammen und Organisationen, die den Schleusern das Geschäft erleichtern, fördern kann, ist nicht wegzureden. (…)
Genau darüber hatte es in den vergangenen Tagen Streit zwischen Deutschland und Italien gegeben. In Italien war man fassungslos, als bekannt wurde, dass Steuergeld in die Seenotrettung fliesst – zumal es sich ganz offenbar nicht um echte Rettung von Menschen in Seenot handelt, sondern um ein kollusives Verhalten von Schleusern und «Rettern». (…)
Inzwischen wird auch zunehmend von Interessen gesprochen. Zum Beispiel den Interessen der Kirchen, die gleichzeitig die grössten Wohltätigkeitsarbeitgeber im Lande sind. Wenn also die evangelische Kirche sogenannte Rettungsschiffe unterstützt, die dann ihrer eigenen Diakonie Nachschub für die von ihr betriebenen Unterkünfte zuführt, so ist das womöglich weniger ein Akt der «Menschlichkeit» als einer der Geschäftstüchtigkeit. (…)»
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Spontaner, zu vertiefender Kommentar:
Allein die Behauptung, dass es sich „ganz offenbar nicht um echte Rettung von Menschen in Seenot handelt“, diskreditiert meines Erachtens den ganzen Artikel. Auch Gegnerinnen und Gegner der deutschen, europäischen, schweizerischen Migrationspolitik wissen, dass im Mittelmeer immer wieder Boote mit Migrantinnen und Migranten in Seenot kommen, und dass Viele dabei ihr Leben verlieren.
Ebenso grosse Schwäche dieses Artikels ist, dass man seine politische Botschaft zwischen den Zeilen lesen muss – allerdings deutlich genug: Ertrinken-Lassen wird als nötige, wirksame und legitime Schutzstrategie für Europa gefordert. Man mag diesem Verschweigen der Konsequenz als positiv abgewinnen, dass die Forderung nach Ertrinken-Lassen als Strategie wohl innerhalb der Redaktion nicht akzeptiert ist.
Greifen wir noch zwei Punkte heraus:
Unterstützen Rettungsschiffe die Schleuser? Kein Schleuserschiff kann damit rechnen, dass ein Rettungsschiff bereit steht, wenn es in Seenot gerät. Keine Migrantin, kein Migrant kann für wahrscheinlich halten, dass sie, dass er dann vor dem Ertrinken gerettet wird. Die Überfahrt über das Mittelmeer bleibt für die Migrantinnen und Migranten lebensgefährlich – und trotzdem wagen sie sie, um einem Elend zu entrinnen, das für sie unerträglich wurde.
Sind die Seenotschiffe Teil eines kirchlichen Geschäftsmodells, weil sie der „Diakonie Nachschub für die von ihr betriebenen Unterkünfte“ verschaffen? Als ob es nicht längst einen Überfluss an „Nachschub“ gäbe, der zur Überforderung der Unterbringungsmöglichkeiten führt. Und als ob Bereitstellung und Unterhalt menschenwürdiger Unterkünften rentabel sein könnte. Eine Behauptung, die die Autorin vielleicht nicht erhoben hätte, wenn sie kurz BetriebswirtschafterInnen der NZZ-Redaktion befragt hätte.
Und noch dies: „Nachschub“ ist als Bezeichnung von Migrantinnen und Migranten meines Erachtens ebenso Kandidat fürs „Wörterbuch des Unmenschen“ wie die durch die SVP verwendete „Massenware„.
Mehr dazu:
„Was tun gegen das Ertrinken-Lassen im Mittelmeer?“ (Link)