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Ungehinderter russischer Vorstoss durch Ungarn und Österreich: Dystopie oder mögliches Szenario?

Nach bisher verbreitet gewesener Meinung wird sich Ungarn einen Bruch mit EU und Nato aus finanziellen und wirtschaftlichen Gründen nicht leisten. Aber Orban führt jetzt seinen Wahlkampf gegen die EU, und ein Osteuropa-Experte hält einen Lagerwechsel Ungarns für gegeben.

Aus einem Bericht von Meret Baumann in der NZZ vom 24. Oktober 2025 (Link):

„In einer bemerkenswerten Verdrehung der Geschichte sprach er (Orban) aber davon, dass die EU sich wie eine Kolonialmacht verhalte und Ungarn in den Krieg im Nachbarland hineinziehen wolle. Ohne Russland zu erwähnen, erklärte Orban, Brüssel sei heute kein Partner mehr, sondern eine Gefahr. Die EU und ihre ungarischen Vertreter – gemeint waren Magyar und seine Partei Tisza – brächten den Krieg nach Ungarn. Bei der Wahl im kommenden April gehe es deshalb um die Entscheidung zwischen Krieg und Frieden, erklärte Orban.“

Aus einem Interview mit Oliver Jens Schmitt, Professor am Institut für osteuropäische Geschichte der Universität Wien, in einem Interview, erschienen im Tages-Anzeiger am 24.10.25 (Link):

«Ungarn und die Slowakei, die an die Ukraine grenzen, sind eindeutig prorussisch. Diese beiden Länder würden keinen Widerstand gegen die Russen leisten. Und Österreich ist nicht in der Lage, sich zu verteidigen. Zwischen der Ukraine und der Schweiz liegen also Länder, die sich nicht wehren wollen oder nicht wehren können.»

*

Eine solche Entwicklung ist allerdings noch nicht zwangsläufig. Es scheint möglich, dass Orban die Wahl verliert und die Wahlniederlage akzeptiert: „Weniger als ein halbes Jahr dauert es noch bis zur Parlamentswahl, und seine Partei Fidesz liegt in den Umfragen seit Monaten deutlich hinter derjenigen des faktischen Oppositionsführers Peter Magyar zurück.“ (Meret Baumann).

Zwischen Rückkehr in die Allianz der Demokratien und dem Lagerwechsel hin zu Putin gäbe es noch den Mittelweg einer Neutralitätserklärung, verbunden mit dem Austritt aus der Nato. Dann hinge die strategische Bedeutung davon ab, ob Putin Ungarns Neutralität respektieren würde. Da dies unsicher ist, muss sich dieses Szenario nicht grundlegend von Schmitts Dystopie unterscheiden.

Einmal mehr sei darauf hingewiesen, dass Orban die Rückgewinnung eines Teils des früheren Gross-ungarns anstrebt. Putin könnte ihn mit einer diesbezüglichen Zusage zur Neutralitätserklärung oder gar zum Lagerwechsel reizen.

Mehr dazu:

„Orbans ‚grossungarische Ambition‘ – Sicherheitsrisiko für Westeuropa?“ (Link)

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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