Die Bezeichnung einer politischen Position als Mitte nimmt Bezug auf linke und rechte Positionen, zu denen man auf eine ähnliche Distanz stehen will. Was aber, wenn sich die Linke stärker nach links bewegt als die Rechte nach rechts, oder die Rechte stärker nach rechts als die Linke nach links? Oder die Linke zur Mitte? Oder die Rechte zur Mitte?
All dies ist möglich und kann dazu führen, dass die Partei, die 2020 in der Mitte zu stehen beansprucht, eines Tages feststellen muss, dass sie – vielleicht ohne ihr Programm geändert zu haben – nun auch nach ihrer Selbsteinschätzung links der Mitte oder rechts der Mitte steht.
Und welche Politikbereiche sind massgeblich für die Begründung des Anspruchs, Mitte zu sein?
„Die Mitte“ kann nicht damit rechnen, dass die Entwicklung der Politikbereiche und der anderen Parteien ihre ursprünglich beanspruchte Mitteposition unverändert lässt. Sie wird immer wieder überlegen und sich entscheiden, wie sie sich zu den Entwicklungen stellen soll, die die Linke nach links, die Rechte nach rechts treibt – oder auch mal die Linke zur Mitte oder die Rechte zur Mitte. Und wie sie der Entwicklung der Politikbereiche und ihrer relativen Bedeutung Rechnung trägt.
Zu jeder Zeit in der Mitte stehen zu wollen, würde in eine Abhängigkeit des eigenen Programms, der Identität und des äusseren Erscheinungsbilds von den Bewegungen der Linken und der Rechten führen. Das können CVP und BDP weder verkennen noch wollen. Mit einer Politik der Mässigung und der sachlichen Auseinandersetzung mit der Entwicklung haben sie eine Chance, dass der Name „Die Mitte“ einigermassen gerechtfertigt bleibt – eine Chance, aber keine Gewissheit.
Vielleicht wird „Die Mitte“ nach einer Phase von Erfahrung und Selbstfindung einen selbständigeren, programmatischeren Namen wagen.