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Die Beschäftigung mit der Wirkung von Atomwaffen ist nötig

Die NZZ veröffentlicht am 23.5.2023 eine ausführliche Darlegung der Wirkung von Atomwaffen. Dies ist nicht nur wichtig für den Bevölkerungsschutz und für die Vorbereitung auf dessen europaweite Zusammenarbeit. Es setzt auch der atomaren Erpressung eine Grenze.

Über die Wahrscheinlichkeit, dass Putin – oder einer, der ihn aus Wut über den Kriegsverlauf stürzen konnte – einen Einsatz von Atomwaffen befiehlt, mag man streiten. Aber unmöglich ist es nicht. Was längst stattfindet, ist der Versuch atomarer Erpressung. Und wenn wir uns nicht mit Atomwaffenwirkung befassen, ermöglichen wir dem Erpresser die Drohbotschaft: „Wenn ihr wüsstet! Eure Regierungen verschweigen euch, was euch blüht, wenn ihr euch unserem Willen nicht endlich fügt.“

Deshalb ist dem Artikel von Divisionär Claude Meier, tätig an den Genfer Zentren für Friedens- und Sicherheitspolitik, Beachtung zu wünschen (Link).

Weiter zu klären sind die Distanzwirkungen eines Atomwaffeneinsatzes in Osteuropa Richtung Westen. Die Verstrahlung nach dem Unfall in Tschernobyl führte – wohl auch oder vor allem wegen einer unglücklichen meterologischen Lage (Ostwind) – dazu, dass während längerer Zeit von der Einnahme gewisser Nahrungsmittel abgeraten wurde. Ich erinnere mich, dass uns nach Tschernobyl anlässlich unseres Kurzaufenthalts in den USA eine junge Mutter bat, Milchpulver aus den USA mitzubringen, da das in Europa erhältliche wohl verstrahlt sei. Man mag dies für eine Überreaktion halten, aber es illustriert die Sorgen, die sich entwickeln können.

Es geht nicht nur um die Vorbereitung des schweizerischen und westeuropäischen Bevölkerungsschutzes für die eigene Bevölkerung, sondern auch um die Erstellung von Bereitschaft, einem nuklear angegriffenen Osteuropa Hilfe zu leisten. Ein Beispiel: Dortige Spitäler wären überlastet mit Opfern eines Atomwaffeneinsatzes, die zum Teil verstrahlt wären. Westeuropäische Sanitätsdienste wären gefordert – und wohl auch bereit -, Patientinnen und Patienten nach Westen zu übernehmen. Dies auf die USA und deren Militärspitäler abzuschieben, wäre nicht akzeptabel. Westliche Unterstützung würde auch für Stabilisierung und Wiederaufbau von Infrastruktur und ganzen Städten nötig.

Auf diese möglichen Lagen muss sich auch die Schweiz vorbereiten. Es ist beunruhigend, dass ausgerechnet der Koordinierte Sanitätsdienst und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz derzeit negative Publizität haben (Link zu einem Bericht der „NZZ am Sonntag“ vom 21.5.2023).

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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