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Der Schulterschluss mit der SVP schadet freisinniger Sachpolitik

In mehreren Kantonen haben sich freisinnige Parteileitungen für den Wahl-Schulterschluss mit der SVP entschieden. Dadurch erschweren sie freisinnige Sachpolitik in wichtigen Bereichen in den Räten der kommenden Legislatur. Der Solothurner Freisinnige Kurt Fluri gibt Beispiele.

„Republik“ vom 10.11.23:

„FDP-Vorstands­mitglied Kurt Fluri, eben aus dem Nationalrat zurück­getreten, findet das nicht richtig. Nicht nur wegen Imarks (SVP-Ständeratskandidat im Kanton Solothurn) Politik­stil, sondern grundsätzlich. «Es ist falsch, von einem bürgerlichen Zusammen­schluss zu reden, wenn man die Politik der SVP im Nationalrat anschaut.» Die Volkspartei lehne alles kategorisch ab, was mit Europa oder dem Ausland zu tun habe: «Das ist sehr wirtschafts­feindlich.» Am krassesten zeige sich das an den Doppel­besteuerungs­abkommen mit anderen Staaten: «Da hat die SVP im Parlament immer dagegen­gestimmt. Hätte sie sich durchgesetzt, so wäre das Resultat gewesen, dass die Firmen in beiden Staaten Steuern bezahlen müssten.» Bei der Steuer­politik und der Bürokratisierung sei die SVP bürgerlich, bei der Landwirtschaft hingegen gar nicht, sagt Kurt Fluri: «Da sind sie sehr dirigistisch und unterstützen jede Subventions­forderung, alles andere als liberal.»

*

Hinzuzufügen wäre zum Beispiel, dass die SVP mit ihrer „Neutralitätsinitiative“ die militärisch absolut notwendige Zusammenarbeit der Schweizer Armee mit der NATO verhindern will. Und dass sie – entgegen dem Rat ihres Zürcher Regierungsrats Ernst Stocker, früher Landwirt – eine wirksame Klimapolitik verhindern will, womit sie im Gegensatz zumindest zu einem nicht zu vernachlässigenden Teil der freisinnigen Basis stellt.

*

Die „Republik“ liess abklären, wie sich die Listenverbindungen der FDP mit der SVP auswirkten:

„Der Schulter­schluss mit der SVP bei den Listen­verbindungen hat in erster Linie der SVP zu mehr Nationalrats­sitzen verholfen. Das zeigt eine Auswertung, die Grégoire Nicollier, emeritierter Mathematik­professor an der Westschweizer Fach­hochschule HES-SO, der sich intensiv mit der Wahl­arithmetik auseinandersetzt, auf Anfrage der Republik gemacht hat. Sie kommt zum Schluss: Wenn die FDP in den neun betroffenen Kantonen statt mit der SVP mit der Mitte-Partei Listen­verbindungen eingegangen wäre, hätte sie zwei Sitze mehr gewonnen: einen in Bern und einen in der Waadt.

Die Freisinnigen wären somit der Schmach entgangen, dass die Mitte-Partei im Nationalrat nun mehr Sitze hat. Die SVP hingegen hätte dadurch drei Sitze weniger erhalten: in den Kantonen Bern, Tessin und Waadt. Nicollier erklärt: «Wenn die FDP mit der SVP Listen­verbindungen eingeht, so wird sie im Mittel eher nicht gewinnen, weil sie kleiner ist. Sie wird zur Wasser­trägerin der SVP.»

In Zürich hat die Listen­verbindung zwar dazu geführt, dass der fünfte FDP-Sitz im Nationalrat gerettet wurde. Aber: Die Freisinnigen hätten diesen Sitz auch durch eine Listen­verbindung mit der Mitte-Partei halten können. Das wäre grundsätzlich die klügere Strategie gewesen, wie Nicolliers Auswertung zeigt.“

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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