„Der andere Pflegenotstand: Die meisten Menschen werden nicht im Heim, sondern zu Hause gepflegt. Doch was, wenn ihre Angehörigen nicht mehr können? Ein Mann am Ende seiner Kräfte erzählt.“
„(…) „Das eigene Leben kann man vergessen. Man kann nicht mal eben in den Harz, bisschen wandern“, sagt König (so heisst der Mann, der seine an MS erkrankte Partnerin pflegt) „und lenkt den Wagen durch aufgeräumte Vororte. Morgens um neun wecken, auf den Rücken drehen, den Körper aus dem Bett und in den Lifter heben, duschen, umziehen, anziehen, umsetzen. Das dauert vier Stunden und ist nur der Anfang vom Tag. König fürchtet, dass ihm langsam die Kraft ausgeht. „Ich bin kein junger Hüpfer mehr, die 65 kommt.“ (…) Dann kehrt Peter König wieder zurück. Zu Nicole, seiner Partnerin, und zu seinem Kampf gegen die Barrieren dieser Welt.
Dieser Kampf beginnt schon nach dem Parken. Überall sieht König hohe Bordsteine, unüberwindbar für Rollstuhlfahrer. „Hallo, bin wieder da!“, ruft er beim Aufschließen. In der Wohnung, einer alten Gaststätte, geht es gleich weiter mit den Hindernissen. An den Wänden hält wegen der Gipsverkleidung kein Griff. Seit drei Jahren suchen sie vergeblich nach einer besseren Wohnung. „Barrierefreier Wohnraum ist total vernachlässigt worden.“
König“findet es ja gut, dass jetzt so viel über die Pfleger in den Kliniken gesprochen werde, aber was ist mit Leuten wie ihm? König war beim Bundesgrenzschutz, dann in der freien Wirtschaft, jetzt ist das hier sein Job. „Wieso gibt es kein Pflegegeld für pflegende Angehörige?“, fragt er. Die meisten werden nicht im Heim, sondern zu Hause gepflegt, drei Viertel aller Fälle. „Wenn davon nur ein Teil wegbrechen würde, dann hätten wir einen Pflegekollaps.““
* Link zum Bericht der „Schweiz am Wochenende“ (hinter Paywall). Derjenige der „Frankfurter Sonntagszeitung“ ist (noch) nicht online zugänglich.
Siehe auch:
„Immer mehr alte Menschen wollen zu Hause gepflegt und betreut werden“ (Link).
„Neue Wohn- und Lebensformen im Alter werden aufgewertet – trotzdem ist den Heimen Sorge zu tragen“ (Link).
„Was tun, damit nicht immer mehr Menschen einen Heimeintritt unbedingt vermeiden wollen?“ (Link)