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Immer mehr alte Menschen wollen zu Hause gepflegt und betreut werden.

Immer mehr alte Menschen wollen den Eintritt in ein Pflegeheim unbedingt vermeiden, und ihre Kinder und Enkel wollen sie davor bewahren. Diese Entwicklung war schon vor Corona im Gang, aber Corona hat diesen Trend verstärkt. Immer mehr Heimbetten stehen leer. Aber Gesellschaft und Politik sind auf diese Entwicklung noch kaum vorbereitet, und sie überfordert auch viele Familien.

Vor Corona folgten sich negative Medienberichte über das Leben im Heim in rascher Folge. Von „Kasernierung“ war sogar die Rede. Viele alte Menschen leben gut gepflegt und betreut, und zufrieden, in einem Heim, aber Positives findet kaum den Weg in die Medien.

Corona hat nun die Schwelle zum Heimeintritt erhöht durch die Angst, im Heim infiziert oder isoliert zu werden. Es wurden ja Verbote von Besuchen engster Angehöriger, Ausgangsverbote, sogar Isolation innerhalb des Heims, im Zimmer, verhängt. Man sollte das nicht pauschal den Heimleitungen vorwerfen. Es war für sie sehr schwierig, einen Weg zu entwickeln, der Ausbrüche und viele Todesfälle verhinderte und zugleich menschlich blieb gegenüber den Bewohnerinnen und Bewohnern und ihren Angehörigen.

Aus einem Bericht der „SonntagsZeitung“ vom 18.4.2021:

«Weil viele Betagte den Heimeintritt scheuen, steigt die Nachfrage nach der Pflege zu Hause. In Basel-Stadt stiegen die Kosten für Spitex-Leistungen im letzten Jahr gegenüber 2019 um 15 Prozent. Bei Thurvita im Kanton St. Gallen verzeichnet man ein Plus von 10 Prozent bei den Spitex-Leistungen. Noch sei es aber zu früh, um von einem langfristig anhaltenden Trend zu reden, sagt Thurvita-Geschäftsführer Alard du Bois-Reymond.

Durch die Corona-Krise können ältere Menschen zu Hause kaum noch von Angehörigen oder Nachbarn betreut werden. Davon profitieren Firmen, die eine sogenannte ‚Live-in-Betreuung‘ anbieten. ‚Wir bemerken seit Beginn der Pandemie eine stärkere Nachfrage‘, sagt Paul Fritz, Geschäftsführer und Gründer von Home Instead. Allerdings könne die Betreuung zu Hause für die Kunden schnell zum finanziellen Problem werden, warnt Fritz: ‚Im Gegensatz zum Platz im Heim gibt es für die Betreuung zu Hause weniger finanzielle Hilfe.’»

Link zum vollständiger Bericht (hinter Paywall).

Gesundheits- und Sozialpolitik müssen mit dieser Entwicklung Schritt halten. Dabei dürfen aber die Heime nicht vernachlässigt werden. Denn viele alte Menschen werden auch künftig in einem Heim gepflegt und betreut werden müssen. Wenn wir unsere Heime schlechtmachen und vernachlässigen, wird es schwieriger werden, gute Arbeitskräfte zu finden, die dort arbeiten wollen.

Zu fördern sind auch unterstützte Wohngemeinschaften.

Siehe auch: Dorothee Vögeli: „Viele Zürcher Altersheime sind seit der Pandemie unterbelegt hat das nur mit dem schlechten Image zu tun?“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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