Wie hier bereits dargelegt: Eine rasche Änderung der Zusammensetzung des Bundesrates ist unwahrscheinlich (Link). Der rechte Flügel der CVP würde sich nur sehr schwer davon überzeugen lassen. Der Erfolg eines solchen Projekts hängt somit stark davon ab, wieviele Stimmen aus der CVP-Fraktion dazu nötig sind. Und wenn Bundesrat Ignazio Cassis abgewählt werden soll, werden Tessiner Stände- und Nationalräte darauf hinweisen, dass man 2015 sehr bewusst den Kanton Tessin wieder im Bundesrat vertreten haben wollte.
Nicht ausser Acht lassen sollte man aber, dass der Übergang von der arithmetischen Bundesratsqualifikation zur Koalitionsbildung eine neue Erfahrung für die beteiligten Parteien wäre: Wie rotgrün dürfte die künftige Bundesratsmehrheit politisieren, damit die Basis der CVP und der Grünliberalen bei der Stange bleibt? Und anderseits: Wie viel Rücksicht könnten SP und Grüne in einer Koalition auf CVP und GLP nehmen, wenn sie nicht riskieren wollten, den grossen radikalen Teil ihrer Basis zu verärgern und vielleicht einer neuen linksradikalen Partei zuzutreiben? Und auf was für eine Europapolitik würde sich die Bundesratskoalition verständigen? Müssten, dürften, könnten die Grünliberalen ihre europapolitische Haltung dem Veto der Linken und grosser Teile der CVP unterordnen?
Selbst in Ländern, die Koalitionen gewohnt sind, ist die Koalitionsbildung schwierig. Gut möglich, dass die radikalen Wiener Grünen dafür sorgen, dass es in Österreich wieder zu einer Koalition von ÖVP und FPÖ kommt.