Sie befinden sich hier:

Besinnt sich die Regenbogenpartei darauf, gegen Trump antreten zu müssen?

Das Zweiparteiensystem liess die US-Demokraten sehr vielgestaltig werden: Zur Regenbogenpartei. Wer nicht zu den Republikanern passt, versammelt sich hier: Liberale Bürgerliche, ethnische Minderheiten, Sozialisten und Sozialistinnen. Zum zweiten Mal stehen die Demokraten an der Schwelle zu einer sozialistischen Präsidentschaftskandidatur, die in der Hauptwahl nicht mehrheitsfähig wäre. Aber der Aufstieg Pete Buttigiegs zeigt, dass die Zahl derer wächst, die sich auf die Hauptaufgabe besinnen: Gegen Trump anzutreten.

Buttigieg kann mit seinen gemässigten Positionen Wählerinnen und Wähler in der Mitte, Wechselwählerinnen und Wechselwähler gewinnen. Als ehemaliger Bürgermeister und als Offizier, der in Afghanistan Dienst leistete, könnte er Erfahrungen und Leistungen geltend machen, die seiner Glaubwürdigkeit als Präsidentschaftskandidat zuträglich wären. Offenbar hat er eine leistungsfähige Kampagnenorganisation aufgezogen, was ebenfalls für Führungs- und Strategiekompetenz spricht. Bemerkenswert ist, dass seine Homosexualität seiner Kandidatur bisher nicht zum Nachteil gereichte. Ob dies so bliebe, wenn für ihn der Vorwahlkampf in der Regenbogenpartei zu Ende wäre und die Hauptrunde begänne, ist schwer vorhersehbar; Trump hat Anhänger, die vor einer Schlammschlacht nicht zurückscheuen.

Möglich bleibt, dass Buttigieg noch durch einen anderen Gemässigten verdrängt wird, oder dass sich doch noch die Sanders-Dynamik durchsetzt. Wer nominiert wird, muss durch die Wahl der Kandidatin oder des Kandidaten für die Vizepräsidentschaft den Teil der Partei mobilisieren, dem er oder sie selber nicht angehört. Das könnte im Fall Buttigeigs durchaus eine der weiter links stehenden Frauen sein – oder, wenn Sanders nominiert wird, Buttigeig.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

„Denn in der EU haben die Mitgliedstaaten das letzte Wort“

Die EU-Kommission vertritt die EU gegenüber der Schweiz, und sie wird die Schweiz-Politik der EU auch weitgehend konzipieren. Aber diese Politik wird nur so durchgeführt, wie ihr die Mitgliedstaaten zustimmen. Deshalb muss sich die schweizerische Europapolitik nicht nur auf „Brüssel“, sondern auch auf die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten ausrichten.

Weiterlesen »

Weltwoche – wie gegen die Ukraine, so gegen Taiwan

„Wir haben keine Demokratie mehr, die es wert ist, verteidigt zu werden.“ Das Blatt des SVP-Leitungsmitglieds Roger Köppel, das Woche für Woche gegen die Ukraine und für Putins Interessen Stellung nimmt, hat eine taiwanesische Politikerin gefunden, die mit dieser Aussage dazu beiträgt, die Propaganda für den chinesischen Diktator Xi im Fall eines Angriffs auf Taiwan vorzubereiten.

Weiterlesen »